Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Daniel Chodowiecki's sämmtliche Kupferstiche
Person:
Engelmann, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1471950
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1472610
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YVeise. 
XLV 
Wecker war in seiner Stube angebracht, damit er ja nicht später aufstehe, als 
er sich vorgenommen hatte. Er schonte seinen Körper so wenig, dass er einst, 
vom kalten Fieber befallen , den Griffel nicht eher aus der Hand legte, alS bis 
ihn das Zittern dazu zwang. Aber nicht der Fleiss allein beförderte seine grosse 
Anzahl Werke, sondern auch seine Kunstfertigkeit und die grosse Sicherheit 
in seinen Ausführungen. Sehr oft von den Buchhändlern getrieben und von 
Bestellungen überladen, blieb ihm nichts anders übrig, als schnell zu arbeiten. 
In einem Schreiben fragt ihn Zingg: „Wie ist es möglich, dass Sie die Kupfer 
zum Sebaldus Nothanker bis auf die lezten vierzehn Tage versparen, und wie 
ist es möglich , diese Kupfer in so kurzer Zeit fertig zu machen? Mir ist das 
Lezte ein Räthsel." Da nun auch bei vielen Zeichnungen, nach denen er stach, 
nur die Umrisse bestimmt ausgeführt waren, und er alles Uebrige, was zur 
malerischen Ausführung gehört, Licht und Schatten, durch die Radirnadel auf 
die Platte zu bringen suchte, so darf man sich nicht wundern, (lass man in dem 
Verzeichniss seiner YVerke über 950 Nummern findet, wo bei den Kalender- 
kupfern zwölf Blätter auf eine Nummer gerechnet sind. YVenn ihn Freunde 
besuchten , liess er sich nie in seiner Arbeit stören , und wusste sich doch auf 
die angenehmste XVeise mit ihnen zu unterhalten. Theils gab er ihnen seine 
eigenen Werke zur Ansicht, theils andere Kupferstiche in Mappen , und diese 
gaben Stoff zu interessanter Unterhaltung. Der Prinz Louis besuchte ihn einst, 
.um sich mit ihm über eine Figur, die er in Kupfer wollte stechen lassen, zu 
besprechen, und war äusserst überrascht, als er schon nach einigen Tagen 
einen Abdruck der Platte erhielt. 
Chodowiecki war ein genialer Künstler, der in seinen mannichfaltigen 
Leistungen jede Schwierigkeit überwand. Unermüdet in seinen Versuchen, 
strebte er nur dahin, das möglichst Vollkommene zu erreichen ; und wenn er 
nicht ganz zum vorgesezten Ziele gelangte, so lag die Schuld davon theils in 
den Zeitverhältnissen, in welchen er lebte, theils darin, dass der frühere 
mangelhafte Unterricht seinen spätern Wirkungskreis beengte. Aber es bleibt 
immer bevrunderungswürdig , dass der Künstler, welcher Alles nur sich selbst 
verdankte, sich in seiner Kunst so auszeichncte, dass er in keiner Hinsicht 
übertroffen wurde, und sich den Ruhm erwarb, unter den Meistern kleinerWerke 
den ersten Rang zu behaupten. 
Die wenigen grössern Blätter, welche er mit der Radirnadel ausführtc, 
haben so viel lebendige Darstellung, so viel Charakteristisches in den Köpfen, 
dass man die kleinen Mängel der Zeichnung darin gern übersieht. Wie konnte 
aber auch ein Mann wie Chodowiecki nach Einzelheiten beurtheilt werden, 
ein Künstler, der die Natur so treu und das individuelle Leben so wahr wieder 
zu geben wusste? Verfolgen wir ihn von dem frühern Gange seiner Kunst, so 
wird manches Unbefriedigende verschwinden und der Künstler um so lobens- 
werther erscheinen. 
Die lebhaften Eindrücke der empfanglichern Jugend, die Folgen eines 
mangelhaften Unterrichts , und des unsichern Ganges bis zu einer festen Be- 
Stimmung, dies Alles lässt sich nicht ganz in dem reifern Alter verwischen. 
Daher konnte das fortwährende Zeichnen nach (kleinen Knpferstichen in 
früherer Zeit auf Chodowiecki nicht anders als nachtheilig wirken; sein Auge 
Wurde nur an den Umfang eines kleinen Raums gewöhnt; alle grössern Gegen- 
Ständc lagen ausser dem Bereiche seines "Wirkens; er konnte also in diesen 
nicht zu der Vollendung, die er in seinen kleinen Darstellungen bewies, ge- 
langen. Selbst als er das mütterliche Haus verlassen hatte, und sein Verstand ihm 
den Weg verzeichnete, den er bei seiner künftigen Laufbahn verfolgen musste;
        

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