Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Daniel Chodowiecki's sämmtliche Kupferstiche
Person:
Engelmann, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1471950
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1472589
XLII 
Chodowiecki, 
Man kann behaupten, dass durch den Abschied des Calas sein Ruhm ge- 
gründet wurde; denn von jezt an vermehrten sich die Auftrage der Liebhaber 
und Buchhändler, welche Zeichnungen von ihm verlangten, so sehr, dass er die 
Miniaturmalerei völlig aufgeben musste. Ihm war es aber nicht darum zu thun, 
jede Neigung der Liebhaber zu befriedigen, sobald sie mit seinem sittlichen 
Gefühl nicht ühereinstimmte. S0 verwarf er mit Unwillen die Zumuthung des 
Secretärs der russischen Gesandtschaft, ihm einige zwanzig obscönc Dar- 
stellungen zu liefern. Im Jahr 1769 machte er sich verbindlich, die Zeichnungen 
und Kupfer für die Akademie der Künste  zu vcrfertigen. Auch für Basedow 
lieferte er viele Zeichnungen zu dessen Elementar-werke, und radirte mehrere 
Platten dazu. Da nun die auswärtigen Buchhändler seine Werke xiäher kennen 
gelernt hatten, so fehlte es ihm auch nicht von dieser Seite an Aufforderungen, 
ihre Verlagsbücher mit seinen Kupfern zu zieren. 
ehrlichen Mannes eine mitleidige Thräne abloekt; so wählte ich den, da er nach dem Gerichtsplatz 
soll geführt werden, und seine Familie von ihm Abschied nimmt. Ich führte diesen Gedanken aus, 
und hatte das Vergnügen, dass niemand ungerührt davon gicng. Man rieth mir, ich sollte dieses Bild 
in Kupfer stechen lassen, oder selbst stechen. Ich glaubte nicht, dass irgend ein Kupferstecher nach 
meiner Arbeit wurde stechen wollen , und radirte es. 
A0. 1767 hätte ich es herausgeben können, hatte auch die Jahrzahl darauf stechen lassen : aber 
die Prinzessin von Preussen vermählte sich in diesem Jahre mit dem Erbstatthalter von den ver- 
einigten Nicderlandcn. Ich hatte sie gemalt, und glaubte dem Publikum einen Gefallen zu thun, 
wenn ich das Gemälde in Kupfer radirte, ich that's und Calas blieb liegen. Das darauf folgende Jahr 
gab ich ihn heraus , und da ich schon hundert Abdrücke hatte machen lassen, rieth man mir, die 
Jahrzahl zu verändern, anstatt 1767, 1768 darauf stechen zu lassen; dieses geschah, und dadurch 
wurden die ersten Abdrücke bestimmt. Eine Anekdote, die mir mit diesem Bilde begegnete, muss ich 
lhnen doch erzählen, und dann kein Wort mehr davon. Ein Charge dlAffaires vom französischen 
Hofe besuchte mich mit ein Paar andern Kavaliers, sah das Bild bey mir hängen. „Wie kommt 
dieses Bild hierher, oder ist es eine Kopey?" „ Es ist das Original und ist hier gemacht." „Aber 
das Original istja in Paris." „Um Vergebung, ich habe es gemacht." „0u'i da ? Von: (was etä bicn 
mal yrllvri." Sie können sich vorstellen , dass ich nicht sagte: „je llui yratni moi meine." 
M e u s e lis Miscellaneen ä. Heft. Erfurt 1780. S. 5  7. 
„Als Nachtrag zu dem, was ich im äten Hefte dieser Miscell. von meinem Kupferstieh Les 
Adieuz de Calaa ä safumille sagte, ist noch um einiger Liebhaber willen zu bemerken , dass, da ich 
diese Platte aufieng zu ätzen, nahm ich mich so ungeschickt mit dem Scheidewasser, dass der erste 
Abdruck mir ganz unbrauchbar schien. Man rieth mir, die Platte noch einmal mit Firnis zu über- 
ziehen , mit der Radirnadel nachzugehen und noch einmal zu ätzen. lch that's und der Erfolg war 
eben so wenig befriedigend, als zum erstenmal. Hieraus entstanden zweierley Abdrücke, die, da sie 
in sehr geringer Anzahl gemacht trurden, äusserst selten sind.-i-) Nun liess ich die Platte ab- 
schleifen, mittlerweile retuschirte ich noch mein Gemälde, machte zu der Figur des Schliessers noch 
eine Zeichnung nach der Natur und mahlte ihn ganz wieder über. Dadurch wurde die neue Platte, 
die ich nachher wieder vernahm , verschieden von der ersten , und da ich nur die Fehler, die ich bey 
der ersten Platte begangen hatte, bey der zweyten sorgfältig vermied , wurde mein erster Aetzdruck 
auch ungleich besser, als der von der ersten. Es hatte mirjemand Verse gemacht-ff) , um sie unter 
die Platte stechen zu lassen , nachdem dies geschehen war, fanden sich Kritiker  ich musste sie 
wieder ausschleifen, und die Strophe aus der Athalia des Racine darunter stechenlassen. ie-f-f) Hier- 
durch sind etliche wenige Abdrücke entstanden mit Versen, die beynahe eben so selten sind, als die 
Abdrücke von der ersten Platte. Es war vor ein paar Jahren ein Mann aus Dresden in Berlin; der 
suchte alle Veränderungen von dieser Platte auf, fand auch einige, aber diese, glaube ich, ist ihm 
doch nicht zu Gesicht gekommen."  Ebendaselbst 1785. 22s Heft. S. 233, IH. 
 Diese ist die auf S. S54 aufgeführte E rste Platte. Hiervon sollen 6-8 Abdrücke existiren 
14-) Diess ist die Zweite Platte I. Nach einer handschriftlichen Mittheilung sollen hiervon nuz 
ein paar Dutzend Abdrücke gemacht worden sein. 
1-11) Ebenfalls die Z w eit e Platte ll. 
 Im Jahre 1764 wurde er bereits Mitglied der Akademie der Künste. In den beiden Jahre! 
1765, 66 stach Chodowiecki gar nichts , malte in Oel und viel in Miniaturc, zeichnete mehr auf Be- 
stellungen der Buchhändler, vrcnach andre Künstler stachen, und war dadurch stets angenehm um 
xmtzlich beschäftigt. 

        

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