Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Daniel Chodowiecki's sämmtliche Kupferstiche
Person:
Engelmann, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1471950
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1472547
XXXVIII 
Chodowiecki, 
Ein durch unglückliche Versuche verarmter Stempelschneider und Dosen- 
stecher, Namens Nicolaus Fonvielle, unterstüzt von den Mitgliedern der fran- 
zösischen (Jolonie, kam öfter an den Vergnügungsort, wo sich Abends die Mit- 
glieder versammelten, und wusste durch heitere Laune die Gesellschaft zu 
unterhalten. Da das Würfelspiel „ le passe dix " ihm Vergnügen machte, liess 
man ihn gern gewinnen. Dieser Mann war hässlich und verwachsen. Er wurde 
von Chodowiecki , nach seiner gewöhnlichen Art, unvermerkt gezeichnet, und 
um den Scherz zu vervielfältigen, entschloss er sich , diese Zeichnung zu ra- 
diren. Umjedoch den Gegenstand seines Scherzes nicht doppelt zu verletzen, 
setzte er auf das fertige Blatt eine fremde Adresse. Dieser erste Versuch mit der 
Radirnadcl fiel indess nicht zum Vortheil des Künstlers aus. Mit der Führung 
der Nadel, und noch mehr mit der Stärke des Aetzwassers unbekannt, missrieth 
ihm diese Arbeit, und sie fiel zu schwach aus. Chodowiecki aber war nicht der 
Mann, der sich durch einen misslungenen Versuch abschrecken liess. Ohne 
fremden Beistand suchte er vielmehr die Ursache aufzufinden, wodurch seine 
Arbeit missrathen war. Daher wurde die Platte noch einmal vorgenommen, 
und sie gedieh zu seiner Zufriedenheit (s. Verzeichniss Nr. 1). f) 
Chodowviecki muss in keiner näheren Berührung mit dem berühmten 
G. F. Schmidt gelebt haben, denn dieser Künstler, der die Radirnadel so meister- 
haft führte, würde ihm sicher alle Vortheile mitgetheilt haben. Es lag indess 
noch nicht in Chodowieckfs Plan, sich einem Fache zu widmen, das er in der 
Folge selbst mit so vieler Meisterschaft betrieb. Ihm genügte es, seine Arbeiten 
durch den Druck vervielfältigt zu sehen , und ohne noch die Absicht zu haben, 
seine Lage dadurch zu verbessern, verfertigte er in verschiedenen Zeiträumen 
die russischen Gefangenen (Nr. 12), f") Friedrich II. zu Pferde (Nr. 9),  und 
den  (Nr. 13); da. er aber den Grabstichel nicht zu führen ver- 
stand, dieses Mittel, die Töne in den radirten Platten zu vervielfältigen und die 
Schatten zu verstärken, so sah er sich genöthigt, in den angeführten Platten 
die Schatten durch mehrmaliges Aetzen hervorzubringen. Dasselbe Verfahren 
musste er bei dem Viehstück Nr. 26 anwenden. Das Bildniss der Prinzessin von 
Oranien ist mehrere Male überradirt und geätzt, so wie auch die auf die Ver- 
niählung derselben sich beziehende allegorisehe Darstellung. 
 
Zu No. 16  50 lässt derHerausgeber dieses aus den ihm vorliegenden schrift- 
lichen Mittheilungen der Familie und Freunde des Künstlers die nachfolgenden 
theils künstlerischen theils historischen Beiträge hier wörtlich abdrucken. 
N0. 1G. Ohne eine besondere Zeichnung auf grundirterPlatte radirt. Diess 
Blatt gab einen erfreulichen Beweis von der Sicherheit und Festigkeit seiner 
Hand; indessen liess er nach wenigen Abdrüeken die Platte abschleifen, weil 
Manches darin Anstoss fand. 
No. 17, 18. Unter den vielen Freunden und Gönnern Chodowieckfs war 
auch der reiche Banquier D., ein grosser Kunstliebhaber und Förderer der 
Künste; er besass viele Kunstwerke, sammelte jezt auch dieses Künstlers 
Arbeiten, und liess mit vieler Älieutseligdieit seine bedeutenden Sammlungen 
sehen. Im Besitz der fast vollständigen Rembrandfschen Kupfer und Original- 
 i") Die Platte von dieser No. 'l sowie von No. l liess der Künstler nach wenigen Abdrücken 
ausschleifcn. 
a") Als Vaterländische-s brachte es grossen Absatz, erschöpfte die Platte, sowie No. S) bald, 
und wurden gute Abdrücke baldseltcn. 
"Ü Vergleiche hierzu im Verzeichnisse die Noten 751i, 7., S, 16, IS, 15), 2], 24 und fernere, welche 
über die fortschreitende Thäligknit des Künstlers mit seinen eigenen Worten einigen Aufschluss geben
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.