Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Werke Lübeckischer Maler in der Gemäldesammlung des Museums zu Lübeck
Person:
Lütgendorff, Willibald Leo von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1471375
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1471880
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der Natur entstanden, sicherte er sich bald einen ersten Platz unter 
den deutschen Orientmalern. Namentlich mit seinen aSchuhflicke-rn 
in Kairox erzielte er auf vielen Ausstellungen einen unbestrittenen 
Erfolg und das Bild darf als eines der besten unter den bisherigen 
Schöpfungen des Künstlers gelten. Es ist daher sehr erfreulich, 
dass H. Linde gerade durch dieses Bild in unserer Sammlung ver- 
treten ist. Hat er in seinen Orientbildern meist glücklich festgehaltene 
Augenblicke aus dem malerisch bewegten Leben und Treiben des 
Volkes gegeben, so wendet er sich jetzt wieder mehr der Stimmungs- 
malerei zu und seine neuesten Bilder aus dem Dachauer Moor 
zeigen sein Talent von einer neuen, nicht minder reizvollen Seite. 
Zu den Unsern dürfen wir auch Prof. Karl Rettich rechnen, 
dessen grosse Landschaft: viln den Dünen bei aufziehendem Ge- 
witterß, eines seinerHauptwerke, seit 1890 im Besitz unserer Samm- 
lung ist. Es ist ein Bild aus der engeren Heimat des Künstlers, 
dessen Wiege zu Rosenhagen an der Travemünder Bucht stand, 
wo er 1841 geboren wurde. Zahlreiche Familienbande knüpften 
ihn immer an Lübeck, hier war er fünf Jahre lang Schüler des 
Katharineums, das er nach bestandenem Abiturium verliess, um in 
München die Rechte zu studieren. Dort aber, in der Hauptstadt 
der deutschen Kunst, vertauschte er bald das Corpus juris mit der 
Palette und wurde der erste Schüler des vortrefflichen Adolf Lier, 
der die Offenbarungen der Schule von Barbizon nach Deutschland 
brachte. Um sich vor Einseitigkeit zu bewahren, ging Rettich im 
Jahre 1864 noch nach Düsseldorf und arbeitete eine Zeit lang unter 
A. Flamm, bis ihn Familienverhältnisse veranlassten, nach Dresden 
überzusiedeln. Von 187OH1883 hielt er sich in Weimar, später 
wieder in München auf, bis er sich vor einigen Jahren, nachdem 
er wiederholt bis hoch hinauf nach Norwegen und bis in den 
Süden Italiens auf seinen Studienreisen gekommen, dauernd in 
Lübeck niederliess. Nur die Sommermonate verbringt er in seinem 
waldumsäumten Tuskulum zu Graal i. Meckl., wo die rauschenden 
Wogen der Ostsee die malerischen Ufer" bespülen und wo ihn eine 
herrlicheiUmgebung stets zu neuen Werken anregt. Er ist gleich 
geschickt mit dem Zeichenstift, wie mit dem Pinsel, was auch die 
beiden kräftig mit Feder und Tusche ausgeführten Landschaften
        

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