Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Friedrich Preller
Person:
Roquette, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1467404
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1470677
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KAMPF 
UND 
VERLUST 
DIE 
CARTONS 
ZUR 
DRITTEN 
ODYSSI 
sich mein Leben gestalten soll, ich weiss es nicht. Marie 
war eben die Seele, welche Alles erwiirinte und belebte. 
Ich fühle mich so verlassen wie ein hülfloses Kind, das 
ohne die Muttersorge vergehen muss. Ich lebe ohne Ge- 
danken an Anderes, als an sie, ich verfolge in trostlosester 
Unruhe ihre Spuren und komme nicht aus dem Jammer 
heraus. In Sehnsucht blicke ich oft nach meiner Arbeit 
und das ist die einzige Hoffnung auf einige Ruhe für die 
Zukunft. Soll ich noch so lange ohne sie leben, so will 
ich die Odyssee als ein Denkmal ihres Wirkens hinter- 
lassen. Der Gedanke, dass dies Werk nicht ohne ein 
bedentungsvolles Dazwischenkommen entstehen werde, ist 
eine schreckliche Wahrheit geworden. Ich hatte aber am 
wenigsten an Mariens Scheiden, vielmehr an das meine 
gedacht. Dass sie uns verlassen würde, war mir vierund- 
zwanzig Stunden vorher noch tinglatiblich, ich sah in 
ihrem Zustande noch eine Besserung. Wie ihr Zustand, 
war zwischen ihr, dem Arzte und meiner Schwester ein 
Geheimniss geblieben, bis den Tag vorher. Sie hatte Beiden 
das Versprechen abgenommen, mir Alles geheim zu halten, 
sie wüsste genau, dass ich dieser schrecklichen Gewissheit 
unterlegen wäre, hätte ich sie mit mir herumtratgen müssen. 
Sie starb ruhig und war bis zuletzt bei klarem Bewusstsein. 
Ihr Begrabniss kann ein Beweis sein, wie sie nach allen 
Seiten hin verehrt und geliebt wvurdea. 
Der Gedanke, der geliebten Verstorbenen durch sein 
YVerk, dessen fördernde Anregung ihr gehörte, ein Denkj 
mal zu setzen, kehrt in seinen Briefen mehrfach wieder. 
Seinen nächsten Geburtstag verlebte er einsiedletisch. vEs 
war das erstemal (schreibt er der Freundin), dass mir an 
diesem Morgen meine Marie nicht entgegen kam, mit
        

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