Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Friedrich Preller
Person:
Roquette, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1467404
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1470327
ITALIENISCHE 
Ilacßßücnzlz. 
NEAPEI-v 
SORRENT, 
CAPRI. 
242 
4 Pfennige.) Zur Versendung wird sie unreif gepflückt, 
daher haben wir im Norden keinen Begriff von ihrer Süsse 
und Lieblichkeit. In jetziger Jahreszeit ist sie in Wahrheit 
nur der erquicltlichste Saft, und wir geniessen sie zu jeder 
Tageszeit. Mit einem gewissen Schauder denke ich an 
die Frucht, wie w'ir sie bei uns mit Zucker geniessen. 
Noch eine andre schöne Frucht ist der HCSpCl'lLl6l1-Apft!l, 
der sehr saftig und etwas säuerlich ist. Wir kosten davon 
meist Mittags zum Nachtisch. Die Luft, stundenweit um 
Sorrento, duftet 111g und Nacht von Zitronen und Orangen, 
und nirgends sonst hat man das Gefühl vom Süden in so 
hohem Grade, wie hiem. 
nDa heut die Kirche eins ihrer unzähligen Feste feiert, 
begann das Schiessen schon Morgens um j Uhr. jetzt 
um 7 Uhr ist der Platz mit Verkäufern von Frucht und 
Gemüse aller Art gefüllt, und das Geschrei sinnvei'xxiiri'eiidi 
Käufer, Kinder, Hunde, Esel und Mönche dräng'en und 
laufen durcheinander, als hätte jeder Einzelne die noth- 
wendigsten Geschäfte. Hunderte sitzen in glühender Sonne 
und freuen sich des Lebens, der Bettler so vergnügt wie 
der Bemittelte, dieser vor dem Kaifeehause, jener auf 
staubiger Erde. Alle Fenster an der Schattenseite sind 
geöffnet, die gegen die Sonne geschlossen. Die heissesten 
Stunden verbringt man zu Hause mit lesen oder schlafen. 
Dass der Italiener, wenn er nicht arbeiten muss, am liebsten 
im Genuss seines göttlichen Klimas schwelgt, linde ich 
sehr begreiHich. Langeweile in solcher Natur würde mich 
eine lange Zeit nicht plagen. Das Studium der sich herum- 
treibenden Menschen, bei ihrer Lebendigkeit und Origi- 
nalität, ist so vielseitig interessant, dass Tage und Wochen 
Flügel zu haben scheinen a.
        

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