Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Friedrich Preller
Person:
Roquette, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1467404
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1470205
ITALIENISCHE 
TAGEBÜCHI 
NEAPI 
an, SORRENI", 
CAPRI. 
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schon, ihre Bildung, Trachten, Sprache und Manieren, die 
Bauart der Hiiuser und Kirchen, alles trägt einen andern 
und ganz neuen Charakter. Fleiss und geschäftliche Rührig- 
keit unterscheiden den Neapolitanei" zu seinen Gunsten von 
dem Römer, er ist und bleibt aber eine Sclrtxvennttttnf, die 
Alles über sich ergehen lässt. Der Römer hat nur fürgc- 
wisse Beschiiftigttng Sinn und Neigung, er ist stolz, hat 
in Allem eine gewisse Grossartigkeit, von Ansehen schön, 
und in allen Bewegungen ernst und edel. Der Neapoli- 
taner ist hässlich, lumpig, beweglich kriechend und zu jedem 
Dienst bereit. Die Trachten des römischen Volkes sind 
ernst und, einfach in Farbe und Schnitt, zweckmässig und 
schön. Wo im Neapolitanischen sich noch Trachten lin- 
den, sind sie oft zu reich verziert, bunt in Farben und 
hässlich im Schnitt. Rom hat in allen Erscheinungen etwas 
Aechtes und Ernstes, was bis auf die Form der Gebirge 
und des Landes ainzuwenden ist. Alles ist positiver, in 
Neapel Alles mehr Schein. Dass ich in früheren Jahren 
Rom in Allem den Vorzug gegeben, hat mir mttnche Ent- 
gegnung, ja Vorwurf zugezogen. jetzt bin ich dreissig 
Jahre älter, habe Alles wieder und mit mehr Ruhe gesehen, 
bleibe aber im Ganzen noch derselben Meinung. Neapels 
blendende Schönheit, der sich theilweis nichts vergleichen 
lässt, hält auf die Dauer für den Künstler nicht so aus, 
wie es die einfachere römische Natur thut. Wir kehren 
nach kurzer Zeit mit einer gewissen Sehnsucht nach Rom 
zurück. Nach einem achttägigen Aufenthalt hier denke 
ich nach Sorrento und Capri zu geheim. 
Da das Wetter in den nächsten Tagen dunstig und zu 
Studien und AusHügen nicht geeignet War, wurde vorerst 
das Musco Borbonico tiurchwantiert. Preller zeichnet 111165
        

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