Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Friedrich Preller
Person:
Roquette, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1467404
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1470096
226 
ITALIENISCHE 
TAGEBÜCHER. 
FLORENZ, 
OLEVANO, 
Rom 
gleich es mir leicht geworden wäre, mich der Menge 
anzupassen, die ich jedoch verachten werde, so lange ich 
lebe. Kochs Schicksal soll mich erinnern, dass ich ein 
Recht habe für meinen Hass des Publikumsu. 
An solchen Ausfällen ist das Tagebuch sehr reich. 
NVie Preller, wo er verehrt und liebt, überschwänglich im 
Ausdruck ist, so pflegt er dats, was er schwarz sieht, noch 
zu schwarzen, und die Reizbarkeit treibt ihn, sich in ver- 
bitterte Stimmungen hineinzureden und zu schreiben. Aber 
ein Blick auf Rafael, und das Gefühl, in Rom zu sein, 
macht ihn allen Groll schnell vergessen. 
Den eigentlichen Weihnachtstag der Römer, den Drei- 
königstzig, feierte Preller mit den Seinen in eigner Weise. 
Während sich Alles im Putz auf den Strassen durcheinan- 
der tummelte, begaben sie sich hinaus nach der Pyramide 
des Cestius, dem evangelischen Kirchhofe. nWir fuhren 
am Forum Trajaimum vorüber, und hatten oft Noth, durch 
Wagen und Menschengewühl vorwärts zu kommen. Bei 
Rippa granda waren wir endlich aus dem Gedränge, und 
nicht weit davon, hinter dem Aventin, liegt an der 
Stadtmauer die Pyramide mit dem kleinen poetischen 
Kirchhof unter Pinien und Cypressen. Ich hatte den Platz 
nicht Wieder besucht, seit (August) Goethes Begräbnisstag, 
dessen Leiche ich mit zu Grabe trug, aber auch selbst 
bald den Tod gefunden laätte. Goethes Grab konnte ich 
mich nicht mehr erinnern, und da der Kirchhof durch 
einen tiefen Graben begrenzt ist, niemand da war, der 
uns hätte einlassen können, verliessen wir den Ort bald 
wieder. Wie gerne hätte ich Kestners Grab aufgesucht! 
Nebenbei liegt der Scherbenberg, der aus dem Schutt und 
den Scherben seit der Römerzeit zum wirklichen Berg
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.