Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Friedrich Preller
Person:
Roquette, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1467404
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1469240
DIE 
NORDISCHE 
Evocm 
UND 
HAUS 
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entgegen und fesselte, datss man das Auge nicht wegwentlen 
konnte. Das mehr als Menschliche, was gewiss keiner 
vergisst, der ihn Einmal gesehen, hat Rietschel vollkommen 
geahnt und neu geschaffen. In dieser Figur ist Rietschel 
gross, weil die Aufgabe so unendlich schwer war, Für 
den oberiiachlichen Beschauer ist Schiller einnehmender, 
und wir können ihn nicht gut anders denken. Seine Dich- 
tungen geben ihn so und nicht anders. Als Verbindung 
beider Heroen hätte es natch meiner Ansicht vielleicht noch 
etwas Anderes als den Kranz gegeben. Der Gedanke 
scheint mir mehr poetisch als plastisch, ich bin indess über- 
zeugt, dass Rietschel das Ganze mit Ehren vollbringen wird. 
NVir dürfen uns gratuliren, ein solches Werk zu besitzentt. 
In ähnlicher Weise sprach Preller seine Freude über 
das NVerk in einem Briefe an seinen Freund Haertel aus. 
Die gute Meinung aber dauerte nicht, er hatte mit der 
Zeit mehr und mehr an der Gruppe auszusetzen. In seinen 
biographischen Notizen schrieb er später sogar ein Urtheil 
über den jugendgenossen nieder, welches den Verehrern 
Rietschels auffällig, ja anstössig erscheinen wird. vIm Laufe 
der Zeit vermisste ich an ihm (Rietschel) die Phantasie 
und den Schxxtung der Gedanken. Was er ohne diese 
beiden höchsten Eigenschaften dennoch in der Kunst voll- 
bracht, Iiegt der Welt vor. Im Char-akter hatte er etwas 
Schwankendes, was sich auch in seinen frühen Arbeiten 
wohl bemerken lasst. Mit der Leichtigkeit, die aus der 
Vollen Beherrschung des Vorwurfs entspringt, hat er auch 
Später nicht gearbeitet. Er vertiefte sich nur allmählig in 
den Gegenstand, aber er ruhte nicht eher, bis er ihn in geÄ 
wisser Weise bewältigt hattealaher nur wenige seiner Werke 
das haben, was man Frische und Ueberzetigtutg nennta. 
        

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