Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Friedrich Preller
Person:
Roquette, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1467404
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1469103
DIE 
NORDISCHE 
EPOCHE. 
H AUS 
UND 
WERKSTATT. 
127 
din des Hauses, um, wie eine gute Familientante, ihren 
Platz neben dem Hausherrn auf dem Sofa zu nehmen. Bei 
Tage malte sie einige Stunden Blumen oder sinnreiche 
Stilleben in seinem Atelier, soweit ihr eines Auge es ge- 
stattete, denn über dem andern trug sie eine schwarze 
Binde. Eine tief angelegte, aber wenig ausgiebige Natur, 
ging sie mit ihrer Bewunderung und mit rührender An- 
hänglichlteit ganz in Prellers Kunst und in seiner Familie 
auf. Aus seinen Erzählungen über sein Leben stellte sie 
im Stillen eine kleine Biographie von ihm zusanunen, in 
welcher das Anekdotenhafte vorherrscht; zwar nicht eben 
zuverlässig, aber doch nicht ganz abzulehnen. Und dazu 
schrieb sie zu Hause den Inhalt mancher Gespräche in ein 
Büchelcltei] itieder,Kunsturtheile,Ansichten, kunsthistorische 
Notizen aller Art, richtige und falsche, die Ausbeute der 
Unterhaltungen Prellers, am Theetische, in der Werkstatt, 
auf Spaziergängen. Aus diesen Aussprüchen hört man 
Preller ganz wie er dachte und sich gab, daher mögen 
einige davon auch hier eine Stelle finden: 
nAln geeignetsten scheinen mir in der Natur die- 
jenigen Motive für die Behandlung eines begabten Künstlers 
zu sein, welche an sich nicht zu fertig als Bilder in der 
Natur dastehen, sondern nur den Gedanken, oder die An- 
regung zu einem Gedanken geben, den der Künstler mit 
dem was er besitzt vervollständigt, und so erst sein Ich 
hineinlegt. Ein blosser Kopist in der Natur ist in nteinen 
Augen nicht viel werth. Der wahre Künstler muss selbst 
Schöpfer sein und die Natur mehr beherrschen, als sich 
von ihr beherrschen lassene. 
nFül' das Entstehen eines Kunstwerks in der Land- 
Schaftgibt es zwei Wege. Entweder" der Künstler findet
        

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