Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Theodor Horschelt
Person:
Holland, Hyazinth
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1466005
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1467002
rcgung: wHier, oder wo immer im Lande, sieht man 
lauter farbig angezogene Menschen herumwandeln, alles 
bewaffnet bis an die Zähne; braune Gesichter mit schwar- 
zen oder brennend rot gefärbten Bärten, zottigen Mützen 
aller Formen, der eine mit Silber bedeckt, der andere 
noch viel schöner in den schönsten Lumpen; dort hoch 
bepackte Pferde, Büffel, bespannte Karren mit Teppichen 
überdeckt, darunter faule Weiber und Kinder liegen; 
Kamele in unabsehbaren Reihen, von Kurden und 
anderem Gesindel geführt, einen farbigen Fetzen um 
die spitze, hohe, weisse Filzmütze gewickelt, die Pfeife 
in den Nacken gesteckt  und auf all dieses die Lud- 
wigsstrasse oder eine Schiedsgerichtssitzung im Kunst- 
Verein, grässlich, grässlichl: 
Im Sommer 1861 ging Horschelt auf keine neue 
Expedition, sondern besuchte zu weiteren, nachträg- 
lichen Studien noch einmal das ganze Terrain der les- 
ghischen Linie. Im August überraschte ihn die Nach- 
richt, dass der Kaiser komme, um den rechten Flügel 
zu bereisen, und dass Horschelt ihn begleiten solle. Er 
eilte als Kurier nach Taman, gegenüber von Kertsch, 
am Asowschen Meer, wo der Kaiser erwartet wurde. 
wDarauf galoppierten wir vierzehn Tage lang ununter- 
brochen auf der rechten Flanke herum, in alle Lager, 
in alle Festungen, überall Paraden, Musik, Frühstücke, 
Diners, Transparente, Kawalkaden, Staub, Hitze, Hurrah- 
schreienw; schliesslich wurde Horschelt auch der 
Kaiserin vorgestellt, erhielt einen schönen Brillantring 
und neue Aufträge, und eilte dann nach Tiflis zurück, 
um daselbst Kaiser und Generäle in einer grossen Revue 
zu malen. -Zur Abwechslung gab es dann (im Februar 
1861) wieder hocharistokratische Dilettantentheater und 
dergleichen, in welchen Horschelt weinen russischen 
Bedientemmit fabelhaftem Glücke darstellte, ohne den 
geringsten Sprachfehler, ohne dass man auch nur ahnen 
konnte, dass Russisch nicht meine Muttersprache sei. 
Freilich muss ich hinzusetzen, dass ich kein Wort zu 
sprechen hatte. In einem zweiten Stücke werde ich
        

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