Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Theodor Horschelt
Person:
Holland, Hyazinth
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1466005
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1466909
Qö 
die Steinplatte auf den Fürsten zujagte. Er war unbe- 
waffnet und hatte die weiten Ärmel seiner Tscherkesska 
bis über die Ellbogen zurückgestreift, um zu zeigen, 
dass er weder Dolch noch Pistole darin verborgen. 
Nie habe ich ein verschmitzteres Gesicht gesehen: die 
Nase hing tief über die zusammengekniffenen, feinen 
Lippen, die Augen lagen in wahren Felsenhöhlen, dic 
Wangen waren bleich und eingefallen; sein Name war 
janus. Schamyl, sagte er, habe ihn geschickt, um 
sich zu überzeugen, ob wirklich der Sardar (Statthalter) 
selbst hier sei, denn nur diesem wolle er sich ergeben; 
welche Bedingungen er mache? Der Fürst liess ihm 
antworten, dass von Bedingungen gar keine Rede sei, 
doch wolle er, wenn er sich unverzüglich einfinde, ihm 
und seiner Familie das Leben schenken. wSchamyl 
 erwiderte janus  fürchtet, dass ihn Deine Sol- 
daten nicht lebend zu Dir gelangen lassenß. wich aber 
bürge dafün, war die Antwort des Fürsten, und der 
Müride jagte davonc. 
vEine peinliche halbe Stunde verging noch, in 
welcher wohl jedes Herz voll Erwartung klopfte, den 
berühmten Mann zu sehen, der so lange mit unbestreit- 
barem Geist und grosser Kühnheit den russischen 
Waffen widerstanden. Da endlich erscholl ein lang- 
gezogenes Hurrah der den Aul umringenden Soldaten. 
und ein dichter Menschenknäuel drängte sich zwischen 
den Häusern hervor. Es war Schamyl, umgeben 
von seinen Söhnen Chasi Mohammed, dem Ver- 
teidiger Wedens und Mohammed Scheriff, dem 
jüngeren und etwa vierzig Müriden, wilde Gestalten, 
bis an die Zähne bewaffnet, von entschlossenem Aus- 
sehen. Unweit des Auls stand General Wrangl, 
Schamyl zu empfangen. Nachdem dieser vom Pferd 
gestiegen, liess ihm der General bedeuten, dass er sich 
nun von seiner Begleitung zu trennen und allein vor 
dem Fürsten zu erscheinen habe. Auf dieses hin ent- 
spann sich eine hitzige Debatte; weder seine Söhne, 
noch die Müriden wollten ihn verlassen und versicherten
        

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