Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Theodor Horschelt
Person:
Holland, Hyazinth
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1466005
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1466273
Eine kleine Anstellung, die ich im Leopoldstättertheater 
erhalten hatte, erleichterte ihm den Abschied. Er gab 
mir seinen besten Segen, stieg in den Wagen und sagte: 
wUm dich ist mir gar nicht bangelx und  ich lief 
ihm, trotz seinem Abwinken, nochso lange nach, bis 
mir der Atem ausging  ß 
Fritz war in einem Hinterstübchen bei einer Wasch- 
frau einquartiert, die ihr Möglichstes that, ihren Zimmer- 
herrn immer sauber zu produzieren, obwohl seine Garde- 
robe den minimalsten Vorrat hatte. Der Ärmste bezog 
wöchentlich freilich zehn Gulden, aber in Bankozetteln, 
von denen einer  nur sieben Kreuzer in Silber galt! 
x50 gestattete mir mein Finanzminister häufiginur ein 
schwarzmeliertes Zweikreuzerbrot zum Abendimbiss; an 
den Gagetagen, wo wir tiefer in den Seckel zu greifen 
wagten, erlaubten wir uns um einen Kupferkreuzer eine 
Düte voll vtutti fruttie (kleingeschnittene Abfälle von 
mindestens zehnerlei Käsesorten) als Beigabe zu unserem 
Abendschmause, der dailn mit raffiniertestem Humor, 
als hätten wir Rebhühner und Trüffel vor uns, genossen 
wurde. Unser Hofmundschenk sang dazu während des 
Pumpens mit klarer Stimme: wWeit besser noch als 
"Biere, schmeckt der Malvasierh 
Der Maler Amerling pHegte zu sagen: xWas 
in einem Menschen steckt, das muss herausia Dieses 
Sichselbstbahnbrechen des Genies zeigte sich auch 
bei Horschelt. Als eines Tages der Pantomimen- 
meister verduftete, erbot sich der blutjunge Hor- 
schelt dem Direktor Henslerß) wein Ballett zu 
machenr. 
Schnell entwarf er das Programm und inszenierte 
sein erstes Werk, welches unter dem Titel: wDasiun- 
ähnliche Porträts schon am I8. März ISII als wPanto- 
mime in einem Akte und ßerster Versuchs mit Fried- 
rich Horschelts Namen, mit bestem Erfolg und 
Hervorruf des Verfassers über die Bretter ging. Als 
besondere Anerkennung erhielt der Verfasser zwölf 
Guldenzettel, aber in völlig abgewertetem  Papier,
        

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