Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463200
KOMPOSITIONSMITTEL. BILDENTSTEHUNG. BILDER 71 
L 
ausgewachsen! (Bei den Kentauren zeigt sich schon die Liebe 
für die „Flecken" i. e. Gegensätze, wie bei dem Fischweib in 
Blau, so hier in Braun.) Man sieht keine Bergspitzen, nur ganz 
schliessendes, geballtes Gewölk und wenig Blau; links alter, 
grauer Schnee vorn auf dem wenigen Fels. Sonst nimmt er 
die Situation mit dem wenigsten und lässt sich auf keine Ver- 
führungen ein. 
Auch seine Farbe gehört ihm; denn er hat sie sich auflangem 
Wege erworben. Nichts lehrreicher als eben seine Dianajagd 
und der heilige Hain darunter resp. die Kentauren vis-ä-vis. 
In der Jagd der Diana ist meinetwegen das Angeborene; 
sie ist noch aus der süssen Dumpfheit herausgemalt;  die 
Genussfähigkeit Böcklins graste noch sozusagen herum, freilich 
bereits die besten Kräuter mit beneidenswerter Gourmandise 
erschnuppernd. Aber darunter hängt die erworbene lächelnde 
Bewusstheit. 
Er ist durchaus schwarz in seiner Magdalena, um nur 
zu wirken.  
Er macht tausenderlei in seiner Dianajagd  unter an- 
derem die rosablühenden Bäume- die nicht wirken, nicht ein- 
mal für den Wissenden sichtbar werden. 
Ich halte die Frage Böcklin auch für eine Geschmacks- 
sache. Aber in dem Sinne, dass, wer künstlerischen Verstand 
verlangt (und ein Recht hat zu verlangen) ihn finden wird, der 
hingegen doch auf die Dauer unbefriedigt bleiben wird, der 
sich durch romantische Äusserlichkeiten angezogen fühlt. Noch 
klüger mit seinen Mitteln rechnen wird nicht leicht jemand. 
Siehe Basel. 
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Zürcher Bild von 1880, Frühlingssehnen und Frühlings- 
lust: eine Florentiner Landschaft im Erwachen wie sie keiner 
je gemalt, mancher empfunden hat. Ich habe an Giorgione 
gedacht, wie wir ihn uns vorstellen müssen. 
Welchen Stoff zum Spott dürfte diese Farbenolfenbarung 
mit einigen Böcklinschen Eigentümlichkeiten  ich habe nicht 
nötig schöne Weiber zu malen, sagt er selbst) dem Mann der 
„Didaskalia'"") geben! 
 Gemeint ist wohl ein Kritiker, der sich in der Zeitschrift „Didas- 
kalia" erging. A. d. H.
        

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