Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463168
KOMPOSITIONSMITTEL. BILDENTSTEHUNG. BILDER 67 
m 
die künstlerische und handwerkliche Erfahrung. Er verlangt 
ja nur, dass jeder die Wirkungsfähigkeit und die Wirkungs- 
grenzen seiner eigenen Kunst (seiner Mittel) kenne und darnach 
vorgehe, dass er die Natur als Maler behandle und nicht wie 
ein Apparat oder Geschichtenerzähler oder ein sezierender oder 
beschreibender Gelehrter. Er verlangt ja nur, dass man seine 
jedesmalige Aufgabe unerbittlich auf das Wesentliche hin prüfe, 
sie innerhalb seiner Mittel sich vorstelle und suche ebenso alles 
Nebensächliche davon abzuthun wie jenesselbst zum Ausdruck 
zu bringen. 
Dass diese jedesmalige Aufgabe nicht in so oder so ver- 
teilten drei Tönen (Calame), in dem oder jenem Farben- 
kontrast allein besteht, versteht sich bei einem Manne von 
selbst, der von einem Künstler verlangt, dass er zu den Ge- 
bildetsten seiner Zeit gehören solle. So einer sieht mit allen 
Geisteskräften und wird nur gefesselt, wo  auf dem Wege ma- 
lerischer Anschauung  seine künstlerische Empfindung ge- 
troffen wird. Diese dann dem Beschauer im stärksten Masse 
zu übermitteln, das ist dann die Aufgabe. 
Gelegentlich seiner Pi e tä  (die er eigentlich nicht verkaufen 
wollte, weil seine verstorbenen Kinder darauf sind): „Wenn 
ich da z. B. die ganzen Engel auf die Wolken setzte, zöge 
das ab. Es käme da zu viel zu sehen und zu viel hell. Ich 
könnte den Ausdruck der kindlichen Teilnahme nicht heraus- 
oder zwingend zum Bewusstsein des Beschauers bringen, auf 
den es mir doch allein ankommt, da ich ihn nicht festhielte." 
Wer Böcklinsche Bilder in ihrer Plötzlichkeit hat entstehen 
sehen, der ist überzeugt, dass irgend ein Naturmoment, welches 
irgend einmal, vielleicht in der Jugend, auf die empfängliche 
Seele des Künstlers Eindruck gemacht hat, vor seinem geistigen 
Auge anschaulich aufgetaucht ist, in einem Augenblick, wo eine 
 Das Bild von 1873 in der Nationalgalerie zu Berlin. Böcklinwerk 
II, 28. Die Pietä hat lange Jahre im Atelier gestanden und zeigt sich heute 
nicht in ihrer ursprünglichen Fassung. Ich glaube, dass Böcklin dreimal 
Änderungen daran vorgenommen hat, denn ich erinnere mich, 1885 oder 86 
in Böcklins Zürcher Atelier nur die untere Hälfte gesehen zu haben. Die 
obere war gelöscht. A. d. H.
        

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