Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463110
64 BÖCKLIN-AUFZEICHNUNGEN UND ENTWÜRFE 
(Er bekennt, nur einen Jugendeindruck vermitteln zu wollen, 
der ihn stets stark gepackt habe  Herbstzeitlosen.) 
Daher auch seine Fischschwänze, Kentauren etc. Er hält 
sich nicht von den Verhältnissen des menschlichen Oberkörpers, 
den er malt, für das Untere gebunden, sondern sucht einen 
Gegensatz. 
Wie lustig gerade da, wo alles sich rundet und abgleitet, 
ein aufwärtsstrebendes rauhes Faunenschwänzchen! 
Böcklin ist eben Maler, dessen Kunst den dekorativen 
und sprechenden Teil ihrer Wirkung in klug berechneten Gegen- 
sätzen sucht. 
Der glücklichste Zustand, als ein Fördernder, ist für den 
Menschen der Moment des Verstehens. 
Das Verstehen liegt im Vergleichenkönnen. 
Das Vergleichenkönnen wird um so leichter, je verschie- 
dener die verglichenen Dinge sind, oder: Kontraste machen 
begreifenf) 
Ein gutes Kunstwerk ist lauter Kontrast und macht des- 
halb zunächst den Beschauer glücklicher, indem es ihm gestattet, 
im Gegensatz zum Erkennen in der Natur, mühelos zu be- 
greifen. Da es eine verkörperte Vorstellung ist, so steht es 
im Kontrast zur Wirklichkeit, beide werden dadurch deut- 
licher: das Unfreie, Vergängliche, Zufällige der unmittelbaren 
Wirklichkeit und das Freie, Gewollte, Göttliche der vorgestellten. 
Dass der Mensch den Begriff der Vergänglichkeit etc. der 
wirklichen Welt habe, ist für ihn förderlich und zu seiner Ent- 
wicklung nötig; das Leben ist kurz; dass er sich in einer vor- 
gestellten Welt davon befreie, ist auch für ihn förderlich und 
nötig; denn er muss an die Ewigkeit des Bestehenden und des 
Strebens glauben, damit er schafft, d. h. begreifen mag, geniessen 
mag  strebt. 
Ebenso, nur in viel höherem Masse, wird er im Kunst- 
werk beglückt, gegenüber dem Zustande, in welchem er die 
Natur geniesst, dadurch, dass das Kunstwerk aus lauter Kon- 
trasten, und zwar im besten Falle aus den grösstmöglichen 
 Zu erinnern wäre an den Witz. Jeder Witz beruht auf Kontrast.
        

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