Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463102
KOMPOSITIONSMITTEL. BILDENTSTEHUNG. BILDER 63 
 
Wesentliche Gehaltenen ihm nicht mehr nützlich erscheint. 
(Darin geht er gewiss vielen zu weit. Aber die kümmern ihn 
nicht. Sie verlangen von ihm etwas für ihn Unnötiges. Er hat 
sich ausgesprochen  also verstehen sie seine Sprache nicht, 
wenn sie noch mehr verlangen. Wie der Bildhauer das, was 
die Farbe vollständiger ausspricht, nicht macht, sondern dem 
Maler überlässt, so macht auch der Zeichner nicht, was mit 
einer farbigen Andeutung genügend angedeutet ist.) 
Nicht bloss als hervorragendes Modellier- und Komponier- 
mittel ist aber die Farbe bei Böcklin verwendet, sondern sie 
schafft zugleich mit Form und Raum auch wesentlich an der 
Stimmung des Bildes mit, sie erfreut oft bei ihm sogar zu- 
gleich um ihrer eigenen Pracht willen. Mit seiner Form- 
gebung verhält es sich ähnlich. Scharfe, eckige Formen ziehen 
das Auge an; zugleich aber machen sie durch den Gegensatz 
andere Teile des Bildes ruhiger, scheinbar einfacher und ge- 
statten doch deren grösseste Ausführung, sind vielleicht nur 
deswegen da. 
Ich erinnere mich an ein Bild von ihm: ein melancho- 
lischer Wiesenabhang voll von tausend blassen Herbstzeitlosen, 
eine einsame blaue Frauengestalt starrt in den verrinnenden 
Bach, die Luft darüber aber ist erfüllt von scharfzackigen 
Platanenblätterw"), und sie waren es zum grossen Teil, welche 
durch ihren Gegensatz die Wiese trotz allen Details so still 
und herbstlich öde machten. („Sie glauben hoffentlich nicht, 
dass ich diese zackige Geschichte um ihrer selbsnwillen gemalt 
habe! Van Dyck und andere waren klugerweise im stande, 
einen Kopf, der ruhig erscheinen sollte, trotz aller Arbeit darin, 
 mit einem Teppichornament etc. zu umgeben. Einen Stoff 
um seiner selbst willen, so einenbunten Lappen malen, weil 
er glaubt, das sei was, kann doch nur ein Münchnerf") 
Und wie so jemand seine Teppichornamente oder Tapeten 
um den Kopf herum malt, um ihn ruhig erscheinen zu lassen, 
so malt Böcklin seine Platanenblätter und Astchen in die Luft 
hinaus, damit es drunter um so einfacher und stiller werde. 
 "Herbstgedanken", 
Böcklinwerk 
III;
        

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