Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463073
62 BÖCKLIN-AUFZEICHNUNGEN UND ENTWÜRFE 
 
bildet sie in dem schwierigen Rechenexempel, welches man  
im Sinne des Materials, mit dem man malt  also der Farbe  
ein Bild nennt. Wie kommt sie zur Geltung oder wie hilft sie 
andern zur Geltung? Kurz was leistet sie, mit welchem Zweck- 
bewusstein nimmt sie ihre Stelle im Ganzen ein? 
Das heisst, er hat die Rechnung stets gegenwärtig. Er 
weiss warum er dort z. B. gestern Blau hingesetzt hat.    es 
fehlt auf der andern Seite eben noch das Gegengewicht, dazu 
kam er nicht mehr, und so sieht das Blau einstweilen noch 
kurios aus. Mit dem Rot daneben bekommt es erst seinen 
wirklichen Wert, sieht man es nicht mehr an sich. 
Dies Rechenexempel umfasst natürlich zugleich den ganzen 
Bildgedanken. Die Ausführung ist nun nichts als die Zuspitzung, 
die Verdeutlichung dieser Idee, des dargestellten Zusammen- 
hanges oder Vorganges. Denn das eigentlich „Erzählende" oder 
„Dramatische" ist trotz allem andern Schein nicht seine Sache. 
Wenn Böcklin so was hinsetzt, wie das gleich hundertfach 
seinen Zweck erfüllt und nicht etwa bloss dem einen koloristi- 
schen Accord zu Liebe dasteht, sondern Stimmung bedingt, 
deutlich macht, trennt oder verbindet, vorrückt, unruhig oder 
ruhig, festlich oder ernst macht, das Hauptgewicht verlegt, mit- 
erzählt etc. 
Aber nicht nur durch die Farbe sind seine Sachen sprechend, 
sondern auch noch, wenn diese mit dem Licht verbleichen oder 
sich verändern, in Hell und Dunkel völlig klar und in Ordnung 
(Gefilde der Seligen). 
Verachtet Böcklin auch ziemlich die „Sante Conversazioni" 
der Italiener, so spricht das nur scheinbar gegen meine Auf- 
fassung. Denn dieser Mangel an Fühlung erklärt sich aus 
Gründen der Farbengebung (seitens der Italiener) zuerst, dann 
freilich steht ihm diese Art puppenhaft Nebeneinanderstehens, 
das völlige Verachten eines mehr als koloristischen Zusammen- 
hanges fremd gegenüber,  und selbst diese koloristische Idee 
der Italiener ist ihm eine durchaus unzureichende, weil er sie 
nicht durch das ganze Bild überall als zielbewusste Rechnung 
nachweisen kann  im Gegenteil überall Schnuseleien in dieser 
Hinsicht bemerkt, die er wohl im zeichnerischen Fertigmachen 
zulässt, sobald nur das Wesentliche da ist, oder wenigstens zum 
völligen Ausdruck des von ihm Beabsichtigten und für das
        

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