Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463061
KOMPOSITIONSMITTEL. BILDENTSTEHUNG. BILDER 61 
 
z. B. schluckt, auch nicht daran denkt, welche Muskeln er dazu 
in Bewegung setzen muss), aber man muss das erworben haben 
und sich dessen jeweilig bewusst werden können. Leute wie 
Makart hatten davon auch manches, ohne klares Bewusstsein 
freilich, und machten damit in gutem Sinn Wirksames, bis zu 
einem gewissen Grad Gutes. Etwas auszusprechen, mitzuteilen 
(ich möchte das Wort „erzählen" vermeiden, es deckt sich nicht 
mit dem „Erzählen" im Sinne Böcklins!) muss man haben. 
Das kann einem kommen wie einem Novellenschreiber. In 
einer halben Stunde kann ihm aus kleinen äusserlichen An- 
lässen sein Thema gekommen und klar geworden, alles Un- 
nötige weggedacht, abgestreift sein, der Ton, der nötig ist, 
im Ohr klingen, und wenn nachher die Arbeit fertig ist, sieht 
er, wieviel scheinbar garnicht Gemachtes, aber doch Beob- 
achtetes, Erlebtes, Berechnetes darin ist, ohne dass er noch 
alle die  inzwischen erworbenen  Kräfte mit Mühe hätte 
aufmarschieren lassen. 
Nicht nur durch das Dunkelsichabheben gehen Figuren 
vom Himmel vor resp. dieser zurück, sondern auch dadurch, 
dass man sie in positiven vorleuchtenden und körperhaften 
Farben hält, während man so einen Himmel, der fern zurück- 
gehen soll, doch nicht mit reinem Blau hinstreicht, sondern in 
helleren neutralen Tönen halten wird. 
Ein Beispiel zu den „p0sitiven und neutralen" Farben: 
An der Rämistrasse"') haben sie drei neue Häuser gebaut. In 
den Fries über der letzten Etage sind Marmorplatten eingelassen, 
beim Mittelbau rote, bei den Flügelbauten graue. Sieht man nun 
von gegenüber (von der Promenade, also von gleicher Höhe 
ungefähr wie die Marmoreinlagen) die Häuser an, mit dem 
Auge auf diese ihre Krönung gerichtet, so scheint es, als ob der 
Mittelbau weit vor die Flügel vorspringe, während in Wirklich- 
keit das ganze Risalit den Flügeln nur um die Stärke einer 
Halbsäule vorgerückt ist. 
Böcklins erste Frage ist immer: warum steht die Farbe 
da, gerade die Farbe, in der und der Menge? Welchen Faktor 
Zürich.
        

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