Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1463016
BÖCKLIN-AUFZEICHNUNGEN 
UND 
ENTWÜRFE 
In unserer Zeit des Stiefelputzens und Wäschezeichnens, 
die sich mit ihrer Dressur und mangelhaften Produktionskraft 
auch noch aufbläht, ist eine solche Erscheinung doppelt merk- 
würdig, unendlich erfreulich, erfrischend. 
Seine Ästhetik, wie sie aus jedem seiner Bilder zu uns 
spricht, dürfte wenig Ähnlichkeit haben mit jener des herr- 
schenden Gelehrtentums. Auch die Menge kann weder die ge- 
lernten Phrasen auf seine Schöpfungen anwenden, denn der 
fremde mitgebrachte Masstab stimmt nirgends, noch sich an 
äussere Hilfsmittel halten, die dem Bildungsmenschen etwa aus 
dem Gemälde die Hand entgegenstreckten. Von allem, was 
dem nicht künstlerisch sehenden Auge schmeicheln könnte, 
kommt ihm nichts entgegen: weder Erbauung noch Patriotis- 
mus ziehen mit an den Strängen, nicht dramatische Erregung 
oder Charakteristik, weder Geschichte noch Geschichten im 
landläufigen Sinne, kein stupend gemaltes Kostüm erregen das 
„stoifliche Interesse", kein abstrakter Gedanke wendet sich an 
den rätselgeübten Verstand,  jede Eselsbrücke fehlt, die schein- 
bar zu einer Art äusserlichen Verständnisses des Kunstwerks 
führen könnte. Nur die Kunst waltet hier mit ihren eigensten 
Mitteln, freilich sich höchster Deutlichkeit befleissigend, aber ihre 
Sprache vernimmt nicht der Verstandesmensch, sondern nur 
der „Sehende", sei es, dass er noch unbefangen anzuschauen 
vermöge (was heutzutage wohl kaum noch vorkommt), sei es, 
dass er den Bildungsstaub unseres Jahrhunderts wieder aus 
Augen und Herz zu wischen vermocht und wieder sehen ge- 
lernt hat, was auch nicht gerade jedem mehr gelingt, und so 
die heitere Kunst wieder auf sich wirken lassen kann.
        

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