Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1462980
BÖCKLINS ÄSTHETIK 
 
„Mach' nichts bestimmt, behaupte nichts schon, bevor du 
dir nicht ganz klar bist (auch über alle Folgen), dass es dein 
ist,  das andere sind Skizzen. Sei vorsichtig, suchend, aber 
dann mit ganzer Kraft, Tugend. Und es gehört eine Art spar- 
tanischer Kraft dazu gegenüber dem Geschmack unserer Tage." 
„Man soll jede Vorstellung so hoch als möglich schrauben, 
sie bis ans Ende verfolgen. Man soll sie aber auch nicht eher 
anpacken, als bis man sie ganz hat, von allen Seiten, und dann 
nicht loslassen, bevor nicht die letzten Mittel erschöpft sind. 
Man kommt gewöhnlich höchstens bis an die Hälfte des Weges, 
dafür ist gesorgt! Die Florentiner wollten ein gewaltiges 
heiliges Gotteshaus und kamen bis zu einer schönen Kuppel. 
Hildebrand möchte alles in seinem Marmor und bleibt schon 
im Anlauf stehen." (Gelegentlich seines Diskuswerfers.) 
Bei Böcklin ist alles im Bilde des Bildes wegen da, nicht 
seiner selbst willen, alles relativ. Darum erscheint ihm die 
Vollendung des Einzelnen  sobald er seinen Bildgedanken 
ausgesprochen und das Auge gezwungen hat, ihm zu folgen  
unnötig, langweilig, falsch. Formen, Farben, alles hat seinen 
Zweck, bedingt einander und vermittelt den Ausdruck der Idee, 
wie er sie will. Er ist darin der absolute Gegensatz zu Mareesr), 
der in seine prächtigen Figuren und Kompositionen alles Mög- 
liche und Unmögliche hineingeheimnissen möchte, denen man 
alles, was sie je gedacht, erlebt und wert gewesen, ihre Be- 
stimmung etc. soll ansehen können, die stets den absoluten 
Menschen alles in allem darstellen wollen: Adam und Eva mit 
ahnungsvollen Kindern. 
Ob oder dass ein Ding an sich, für sich, schön oder voll- 
kommen, so oder so sei, ist Böcklin gleichgültig, für ihn steht 
es in Reih und Glied, ist es nur da als Hilfsmittel seine Bild- 
empfindung zum Ausdruck zu bringen. Es steht nichts müssig 
da, um zu prahlen, den Raum zu füllen, hier hat alles und jedes, 
ich wiederhole es immer wieder, die Devise: „ich dienä" Und 
mehr Diener als er braucht werden nicht angestellt, damit sie 
sich nicht im Wege stehen. 
Siehe den Abschnitt „Böcklin 
und Hans 
von Maräes" S. 165.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.