Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1462910
46 BÖCKLIN-AUFZEICHNUNGEN UND ENTWÜRFE 
 
Wenn das Rechenexempel im Kopf fertig ist, kommt es 
nur darauf an, dasselbe so leicht begreiflich und deutlich dar- 
zustellen wie möglich. Das ist die Novelle ä la Paul Heyse. 
Das Individuelle, Persönliche liegt wesentlich in der Wahl und 
Stellung der Frage, des Exempels  dann im Vortrag, nicht 
in Figuren und Charakteristicis. Die Wirkung, auf die es an- 
kommt: das „Dämonische des Einfachen" ist fast allemal 
erreicht; vieles freilich ausgeschlossen, was denn doch sein 
Recht haben dürfte, auch wenn es hier keinen Platz finden 
darf  ebenso in der erzählenden Kunst neben den Heyseschen 
Novellen, wie in Böcklins summarischen, monumental-dek0ra- 
tiven, zielbewussten  oder sagen wir gleich: siegreich am 
Ziel jubelnden Bildern. Brandes hat darin Heyse gegenüber 
gewiss die richtigen Einwendungen gemacht (Rundschau). 
Glaubwürdig sein ist Böcklins erste Forderung an seine 
Arbeiten. In jeder Beziehung glaubwürdig machen, was man 
zu sagen hat. Er sucht so viel wie möglich von dem Reiz des 
anschauend Genossenen in seine Übertragung hinüberzuretten. 
Und er weiss die dafür mögliche Ausdrucksweise stets mit 
lebendigem Gefühl zu finden. 
Und die kleinsten Reize hat er genossen und aufbewahrt. 
Man findet sie und empfindet sie überall, wo es eben geht, 
ohne zu stören. Überall noch Beobachtung. Aber zu wissen, 
dass ein Mensch noch ein Ohr hat, wenn er schon so seine 
Wirkung thut, dünkt ihn keine Beobachtung, kein Genuss der 
Mitteilung wert wenigstens. 
Bei all seinem Zug nach dem Einigen, Grossen steckt die 
unbegrenzte Freude an allem Lebendigen, Sichtbaren in ihm, wie 
etwa bei D ü rer. Er muss manchmal, wo es nicht stört, mitteilen, 
wie sehr er auch das und das noch genossen hat. Er lässt dann 
all seine Anschauungsfreude spielen: dahinein und dahinein sah 
ich auch noch und fand die Welt schön  ohne aber je damit 
der Hauptsache Abbruch zu thun, im Gegenteil, das Ganze 
erheiternd oder der Genussfröhlichkeit des Ganzen entsprechend. 
Sag' mir, was du von der Welt hast. Lass es mich be- 
greifen, nachempfinden. Wie kommt dir der Frühling vor, der 
Tag, die Sonne, das Weib,  sag' mir das ganz und voll, dann 
bist du ein Künstler.
        

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