Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1462898
44 BÖCKLIN-AUFZEICHNUNGEN UND ENTWÜRFE 
kennt, über das spricht, wovon er am meisten (intimsten) zu 
sagen weiss. Er will durchaus nichts Grossartiges machen. Er 
lebt nur von dem einen Gegensatz  der gross und einfach 
ist  zwischen der beschaulichen, philisterhaft befriedigten 
Ruhe des kleinstädtischen Marktplatzes und den hineingeworfenen 
Versprengten. 
3 t i! 
Der Künstler ist vor allem ein gesunder Mensch. Nur 
der sieht die Welt richtig in seinem Lebensgenuss. Der Kranke 
sieht all seine Qual in die Welt hinein und will und kann 
andern keine Freude mitteilen. Böcklin macht das Fenster 
auf, und die Sonne lässt das Meer erglänzen und lebendig 
werden. 
Eine weise, offene, zugängliche Kunst, voller Erfahrung 
und ohne Geheimnisse (für die, die sehen, den Faden nehmen 
wollen), ein staunenswertes, überall stichhaltendes Sich-Decken 
und sich gegenseitig Unterstützen zwischen Mitteln im weitesten 
Sinn und Zweck  Zusammenfallen der beabsichtigten Erregung 
des Auges i. e. Aufmerksamkeit des Beschauers und des 
Interesses, des Rätselworts des Bildes: gerade da steht das 
„Sesam!"  (nicht, „wo ist die Katz" wie meistens)  also des 
sprechenden Ausdrucks des mit dem Ganzen Gewollten. 
Böcklin arbeitet wie ein Bildhauer: schon wenn dieser 
das Gerüst zusammenbiegt, weiss er ganz genau, was er will, 
hat er seine Arbeit in der Vorstellung fertig. Ebenso Böcklin, 
wenn er an die Leinwand tritt. Und dann geht's schnell. 
Merkt er in der praktischen Arbeit, dass er sich verrechnet 
hat, so ist's gleich aus. Weg damit! 
Wir können und besitzen ja viel mehr als wir alltäglich 
zur Hand haben. E r kommandiert das in glücklichen Momenten 
alles mit einander, genau für denselben Zweck. 
Wie männlich bewusst, unerschrocken und frei von aller 
Gefallsucht ist diese Kunst, diese unbekümmerte, alles, was 
nach Geschicklichkeit aussieht, ängstlich vermeidende Malerei 
eines Mannes, der seine Zeit vollauf kennt und ganz auf sich 
und sein künstlerisch Erarbeitetes angewiesen ist, gegenüber 
den Palaisposten  voran Anton von Werner  und jedem 
anderen, der nach rechts oder links und nach den Achselstücken
        

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