Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1462851
40 BÖCKLIN-AUFZEICI-INUNGEN UND ENTWÜRFE 
tollsten Fabelwesen sind körperlich durchaus organisch 
ebenso organisch mit ihrer Landschaft verbunden. 
und 
Bei jedem Erklärungsversuch der Böcklinschen Kunst 
muss man von seiner unbegrenzten Genussfähigkeit gegen- 
über der Natur ausgehen, von seinem unerhörten Gedächt- 
nis andrerseits. jene lehrt ihn an allem Eigentümlichen und 
Sprechenden sich freuen, der Individualität eines Naturmoments 
mit künstlerisch geniessendem, verstehendem Auge nachzugehen, 
 dieses bewahrt ihm das Genossene und sendet aus seinem 
Reichtum eine Fülle des Verwandten, sei es des Erlebten oder 
Assimilierten, sodass aus geringem Anlass mit rapider Ideen- 
association ein Bild vor seinem geistigen Auge entsteht. Das Ge- 
dächtnis aber ist die Grundlage dessen, was wir Phantasie nennen. 
(Phantasie : Beweglichkeit, Erregbarkeit, Sichtbarwerden 
des Gedächtnisses, d. i. der in uns ruhenden Summe von 
irgendwie Erworbenem.) 
Das Arbeiten aus dem Gedächtnis bringt es mit sich, 
dass der Künstler ungebunden von den mit tausend Zufällig- 
keiten behafteten Einzel- und Momenterscheinungen, frei mit 
dem für ihn Wesentlichen zu schalten vermag, mit dem, was 
ihm wirklichen anschaulichen Genuss gewährte, was ihm die 
Eigentümlichkeit des Moments aussprach, offenbarte.  
Böcklin sagt: "Man darf absolut nichts Unwahrscheinliches 
machen. So ein Münchner macht dahinten irgendwo, um den 
Raum zu füllen, als 0b es sich um eine Arabeske handle, eine 
Fahne, die sohin weht, und Bänder, die andershin flattern. 
Und die Schreier nach Natur finden nichts dabei." 
Er ist der personifizierte künstlerische Verstand bis in 
den kleinsten Strich, bis auf den unscheinbarsten Ton, in jeder 
Unterlassung nicht minder. Dieser Verstand ist Herr der 
reichsten, unermüdlich selbsterworbenen technischen Erfah- 
rungen. In ihrem Kreise hält er, an strenger Longe, den un- 
erschöpflichen Vorspann eines allseitigen Gedächtnisses und die 
Naturempfindung eines wahren Künstlers. 
(„Form und Farbe müssen sich der Idee unterordnen", sagt er.
        

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