Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1462847
KÜNSTLERISCHE CHARAKTERISTIK 39 
 
das andere so sein; weil das eine spricht, muss das andere 
schweigen; nichts ist ungekonnt, sondern urteilsmässig nicht 
gewollt; keine Farbe, Form, Unruhe, Helligkeit ist um ihret- 
willen oder gar allein da, sondern alles ist relativ, dient dem 
Ganzen.) 
Klar und eindeutig muss er sein. Darum schreibt er auch 
noch  so sehr auch alles zweckdienlich zur Sache spricht  
„Vinum bonum" über die antike Osterie oder „Melancholia" 
auf den Spiegel seiner schönen letzten Figur. (Zürich 1885.) 
Ihn füllt jene Vorstellung der sichtbaren Welt, auf die er 
sich konzentriert, und die er immer körperlicher verdichtet, 
ganz aus mit ihrer lebendigen Gegenwart und Werdelust, 
alle seine geistigen und körperlichen Kräfte nimmt sie in An- 
spruch.  
Wenn schon, so möchte ich, ohne vergleichen zu wollen, 
was ich übrigens in vielen Beziehungen nicht scheuen würde, 
an Rubens denken, der die Natur packt, wo es gerade ist 
und sie hinstellt: eccola qua! Auch Böcklin bemächtigt sich 
ihrer mit ähnlich gewaltiger Selbstverständlichkeit, wenn er die 
hinreissende Kraft von Rubens auch nicht besitzt. 
Das Bewusstsein für malerische Mittel und Notwendig- 
keiten (welches mit dem Asthetischen oder mit der sogenannten 
poetischen Empfindung gar nichts zu thun hat, sondern ihnen 
weltfern steht) ist selten so ausgebildet verkörpert gewesen wie 
in Böcklin. 
Wenn man sich ehrlich über Malerei unterhält  unter 
der Voraussetzung, dass man weiss, um was es sich dabei 
handelt (und hier ist das Loch im gegenseitigen Verständnis)  
so muss man zugeben, dass wir es hier mit dem klarsten, 
positivsten, bewusstesten Vertreter der Kunst unter den Leben- 
den zu thun haben. 
Gerade ihm gegenüber sind alle laienhaften Vorstellungen 
von phantastischer „Genialität", von interessanter Nervenüber- 
reizung (oder gar Originalitätshascherei) absolut lächerlich und 
beruhen auf vollständigem Nichtkennen seiner Person und 
 unverbesserlichem  Verkennen seiner Werke. 
Die heitere Kraft Böcklins, auch wo sie am übermütigsten 
mit den Kombinationen seiner Phantasie spielt, wurzelt immer 
fest und sicher in dem realen Boden der Naturwahrheit, seine
        

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