Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1462832
38 BÖCKLIN-AUFZEICHNUNGEN UND ENTWÜRFE 
das gewählte und verwandte Material, müssen die Requisiten 
ebenso streng geschlossen dem Ausdruck eines Vorganges dienen, 
wie sie ursprünglich wegen eines malerischen Problems er- 
funden und verteilt worden sind, z. B. sein Kentaur, der sich 
den Huf beschlagen lässt. 
„Wie kommen Sie dazu?" 
„Ganz zufällig natürlich. Ich dachte nicht daran einen 
Witz zu machen, etwas zu erzählen. Mir fiel das plötzlich ein, 
und nun muss es herauskommen."  
Nach einigen Tagen: „Sie haben das Ganze verändert." 
 der junge war überflüssig. Der Meister sah nach 
der dicken, weissen Kentaurin. Das war falsch und brachte einen 
Nebengedanken in das Bild. Er muss den Kopf sachverständig 
und überlegend schief halten, nur sehen, wie sich das wohl machen 
lässt, während der ganz rohe Bauernkentaur ihm seine Schwierig- 
keiten mit diesen ewigen Eisen klagt. Zürich 1885.) 
Ohne Sentimentalität und ähnliche Nebenemplindungen 
oder Nebengedanken sieht er ausser der Form die Bewegung, 
das Leben und sucht es durch die Arbeit zu ergründen; er 
sieht nicht nur sie, sondern das Geistige, welches der Form 
wie der Gruppe ihren darwinischen wie momentanen Stempel 
aufdrückt: er sieht die Scene, die Stimmung, und sucht auch 
sie als etwas in der Natur Gesehenes, dieser Eigentümliches, voll 
und klar zu entbinden. 
Höchste Lebendigkeit, knappstes Zusammenfassen, streng 
gefugt, bis zur grössten Einfachheit und doch oder darum Be- 
stimmtheit, Sachlichkeit, Deutlichkeit, Klarheit  reizbarste 
malerische Feinfiihligkeit  überall gegenwärtige Kritik, das 
ist's, was Böcklin in seinen Arbeiten auszeichnet. 
Ich wüsste keine bewusstere Thätigkeit als die, welche 
sich in jedem Strich Böcklinscher Bilder ausspricht  und 
darum erst recht ist das Kunst. 
(Keine Zufälligkeiten, auch wenn es frappant so aussähe, 
keine Zweideutigkeiten, dabei viel mehr Natur als in den ge- 
malten Zufälligkeiten anderer. 
Man müsste das doch sehen oder dahinter kommen können: 
hier ist alles Absicht, nichts Zufall. Weil das eine so ist, muss
        

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