Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1462823
KÜNSTLERISCHE CHARAKTERISTIK  37 
 
Die sogenannte Stimmung ist durchaus nicht immer etwas 
Sentimentales, Poetisch-phantastisches, welches. den Menschen 
beherrscht, sondern ein Sichtbares, welches der Maler packen 
und beherrschen kann. Sonneneinsamkeit, Meeresöde, Waldes- 
schweigen sind in den sie zusammensetzenden Naturerschei- 
nungen keine Produkte unserer Empfindsamkeit, sondern für 
den Sehenden erkennbare charakteristische Lebensäusserungen 
gewisser wiederkehrender Naturmomente. 
(Auch eine Landschaft hat ihre Individualität, die Böcklin 
zu entbinden strebt, jeder Winkel Erde, jede Tageszeit hat ihre 
Stimmung, jede Stimmung ihr entsprechendes Stück Welt, Jahres- 
und Tageszeit, und es ist nur Sache der schnellen Ideenverbin- 
dung, dass sich das Entsprechende von selbst zusammenlindet, 
um zu überzeugendem Ausdruck zu gelangen.) 
Ich kann beim „Sehen" des Lebendigen das Leben nicht 
übersehen, ebensowenig beim Anschauen der Natur. Licht, 
Luft und Raum sind sichtbar und also Gegenstand der Malerei. 
Die Fabelwesen, welche solchen Anschauungen oder Vor- 
stellungen zu stärkerem Ausdruck verhelfen, sind darum noch 
lange keine eitle Ergänzung oder Verbesserung der Natur. 
Sie bedeuten nichts weiter, sie wenden sich nicht an unser 
gelehrtes Wissen,  sie sind das überzeugende Produkt solcher 
eigenartigen Naturmomente: und wenn sie auch zufällig noch 
niemand gesehen hat, sind sie darum in ihrer Naturumgebung 
nicht minder wahr  gleichviel 0b die Natur sie zu machen 
vergessen oder nur kein Mensch bisher sie gesehen hat. Nichts 
Idealistisches, Bezügliches macht sie schattenhaft oder entrückt 
sie dem reinen Gebiet der Malerei: der Verlebendigung des 
vom äusseren oder inneren Auge wahrgenommenen. 
Böcklin ist immer mehr Maler geworden. Aber in einer 
Beziehung doch nicht in Conrad Fiedlers Sinn. Ihm genügt 
das ewige Figurenstilleben von Adam und Eva, des Porträts, 
der Sante Conversazioni nicht. 
(Dasrein Malerische ist ihm auch zu wenig. Darum liebt 
er z. B. die Italiener nicht und begreift ihre Sante Conversazioni 
und schön posierenden Zuschauer nicht. Freilich empfängt auch 
er seine Bilder lediglich durch die Augen, aus der Anschauung 
der Natur, auch ihm ist das malerische Problem die Haupt- 
sache, aber dann, sei es auch erst während der Arbeit, muss
        

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