Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1462747
KÜNSTLERISCHE CHARAKTERISTIK 35 
 
werdende und lebendig machende Anschauungen, irgend einmal 
erworben, die sich werdelustig zur Verfügung stellen), sie ver- 
deutlichen ihm das Empfundene, vergrössern es, ermöglichen 
ihm die Übertragung auf andere. 
Dabei schliesst seine rein malerische Natur von vorne- 
herein alles aus, was nicht lediglich mit den Mitteln seiner Kunst 
(der Palette im weitesten Sinne) ganz deutlich zu machen ist, 
ohne Rest aufgeht, irgendwelche Interessen anruft oder An- 
sprüche (Captationes benevolentiae) erhebt. Schon in der Idee 
will sein Bild nur den Beschauer von sich selbst befreien und 
in die blosse Anschauung versenken. Alle seine Poesie und 
Phantasie bewegt sich bewusst in diesen Grenzen. Sie alle 
dienen nur dem Maler. Alle sind an der Hand der Natur, d. h. 
aus Anschauung, Empfindung und momentaner Ideen-Association 
entstanden. 
Die gewaltige Naturnähe in seinen Sachen kommt von der 
bewussten Beschränkung, sowohl was das Sichtbare anlangt, 
als was das Zurückziehen auf den Gesichtssinn und seine Fort- 
setzung "in der Arbeit betrifft. 
Böcklins Talent besteht zu einem grossen Teil in der 
Fähigkeit, künstlerische Erfahrungen zu machen und diese in 
Fleisch und Blut aufzunehmen.  
Seine nwiederholungen" bedeuten stets ein Weiter- 
bilden und Ausreifen, sie werden jedesmal einfacher und schla- 
gender. 
Grimm redet viel von diesen Wiederholungen. Aber 
weniger weil Böcklin "sich nicht losreissen konnte", sondern 
weil anderen das nicht glücken wollte, und sie ihm keine Ruhe 
liessen, bis er ihr Geld nahm und das Bild in neuer Redaktion 
 um sich nicht selbst zu langweilen  noch einmal malte. 
Zwei gleiche Bilder hat Böcklin nie gemalt, noch weniger sich 
selbst kopiert. 
Er hielt es nicht aus, gebunden zu sein, das Neugestalten 
fand er viel leichter. Das beweist, wie wenig Bedeutung der 
„Stolf" hat. 1 
Um zu sehen wie Böcklin immer klarer geworden ist und 
das für ihn Sichtbare immer mehr an Stelle des Subjektiven 
(Denken, Empfinden) gesetzt hat, vergleiche man nur seine 
„Wiederholungen", z. B. die toskanischen Villen, den Vinum 
SÜ
        

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