Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1462711
BÖCKLIN-AUFZEICHNUNGEN 
UND 
ENTWÜRFE 
Böcklin ist jedenfalls der bewussteste und konsequenteste 
Farbenrechner und Malkünstler, den wir seit den grossen Tagen 
unabgeblasster Malerei besassen. Und das will in unserer 
traditionslosen Zeit etwas sagen. Wie dies möglich war, wird 
nach uns  als Illustration zu unserer verwissenschaftlichten 
Streberepoche  manch einer noch schwerer begreifen als 
wir selbst. 
Im Gegensatz zu der Farb- und Freudlosigkeit und Kor- 
rektheit unserer heutigen Kunst, welche durch stramme Haltung 
die fehlende innere Wärme zu ersetzen sucht, steht hier die 
heitere genussfrohe Farbenkunst, die jugendliche treffsichere 
Bewusstheit Böcklins. 
Bei ihm ist keine Farbe, kein Ton, kein Strich, der nicht 
das freie Walten einer mit allen Machtmitteln ausgerüsteten 
überzeugt malerischen Phantasie bewiese. Natürlich verstehen 
wir darunter nicht willkürliche Phantastik, sondern die Erschei- 
nungswelt im Lichte einer sich selbst und die Mittel ihrer Kunst 
beherrschenden, auf Anschauung beruhenden Einbildungskraft. 
Er sucht und weiss stets gleich, wo die Wirkung liegt,  
oder wie er sagt  „der Witz liegt".t „Accentuieren!" „Es 
kommt immer mehr Zusammenhang in die Sache." 
H. Ehrlich sagt von Schubert, Schumann, Mendels- 
sohn, sie „sind nicht mehr wie ihre Vorgänger die reinen Mu- 
siker, sondern ihre Werke enthalten eine poetische Tendenz, 
sind schon „Programmmusik", da sie sich auf bestimmte poetische 
Gedanken beziehen, wie schon die Titel vieler Mendelssohnscher 
Musikstücke zeigen: "Sommernachtstraum", „Fingalshöhle" etc. 
Einen umgekehrten Gang könnte man Böcklin nachsagen. 
Es hat sich vom Poeten herkommend, der seine Mittel zwang, 
immer mehr zum reinen Maler durchgearbeitet. Die Titel seiner 
Bilder sind nicht von ihm selbst. 
„Man sollte keinen Bildern Namen geben müssen. Das 
Wesentliche, worauf es dem Maler ankommt, wird ja dadurch 
doch nur gestreift, die Entstehungsart verschleiert oder ge- 
fälscht. Man nimmt den Stoff, der auf der Strasse liegt  und 
mit dem sich wohl die Unfähigkeit deckt  für den Autor, 
der etwas zu sagen hat. Was er geschaut, was er empfunden
        

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