Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1462703
KÜNSTLERISCHE CHARAKTERISTIK 31 
 
zu malen, oder sich sein Bild von einem andern 
durchdenken zu lassen, beschwören zu dürfen. Er 
und nirgends unfrei sein. 
vor- 
kann 
resp. 
nicht 
Böcklin erzählt in seinen Bildern doch nicht eigentlich. 
Es ist freilich stets eine gewisse ganz deutliche Handlung da, 
oder doch eine sprechende Staffage. Aber jene berichtet 
nie über einen historischen oder genrehaften Einzelfall, sondern 
sucht unter dem Einzelnen das Allgemeine darzustellen. Nehmen 
wir an, er malt eine Schlacht, so wird er sich nicht durch 
Waffenröcke und Porträts an den Einzelfall binden, sondern 
den sozusagen elementaren Charakter des wilden Ringens dar- 
stellen. Höchstens dass er der allgemeinen Bewegung den 
Gegensatz eines ruhigen Feldherrn entgegensetzte und dadurch 
auf diesen den Blick lenkte, dem Ereignis auch nach dieser 
Seite hin seine Individualität wahrte. 
Ich denke dabei an Rubens, der es ebenso machte, speziell 
an seinen prachtvollen Sieg Heinrichs IV. in den Uffizien. 
Schlacht  das heisst für ihn Kampf: Alles ist Bewegung, 
Verkürzung, überall noch Gegensätze, nirgends breites Aus- 
ruhen, Ausgleiche. Gegeben war nur die gepanzerte Figur des 
Königs: die hellsten Glanzlichter auf dunklem sehr ausgeführtem 
Grund. Alles andere konnte er nun, im Gegensatz zu ihr, 
breit und wild gestalten, als freiesten Ausdruck künstlerischer 
Absicht, nicht weiter fertig als es zu dieser Grundidee ihm 
nötig schien  umsomehr blieb trotzdem die Majestät des 
Siegers Hauptsache. 
Oder im andern Fall: er erhöht durch seine sprechende 
Stalfage nur die Deutlichkeit der empfundenen Stimmung, ver- 
körpert noch einmal das Angeschaute, hilft ihm zu zweifelloserem 
Ausdruck  er ist zu reich, um sich mit der blossen Land- 
schaft zu begnügen, so sehr er ihrer Herr ist. Er muss die 
Natur  gleich den Alten  vertnenschlichen, beleben, nicht mit 
Individualitäten, sondern mit Verkörperungen ihrer Kräfte. Sie 
sind nicht ihrer selbst wegen da, sondern relativ, sie helfen seinen 
Eindruck ins Grosse, Allgemeine erheben. Es ist nicht bloss 
Stimmung auf diese Weise, es sind Naturmythen, die er dichtet. 
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