Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1462621
„EINFLÜSSE", ENTWICKLUNG, AUTODIDAKT 
 
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Und schadet es schliesslich irgendwem, uns, wenn Böcklin 
sich wirklich einen und den andern malerischen Gedanken, 
eine und die andere erprobte Werkstättenerfahrung be- 
wusster Tage  die früher zu lernen das höchste Bestreben 
war  aus der allgemeinen Überlieferungslosigkeit wieder auf 
dem Erfahrungswege herausgerettet hat? 
 Es giebt keine Kunst ohne Verabredung, Konvention, 
Überlieferung und darauf beruhenden Voraussetzungen; beim 
trompe Faail so gut wie bei Schwind. Ein Bild ist eben nichts 
Zufälliges, sondern etwas Gewolltes. 
Böcklins fortwährend wechselnde Produktion sollte ihn 
schon vor dem Verdacht bewahren, als sei er in seinem Innersten 
beeinflussbar gewesen. Er malte in Rom die Eindrücke rö- 
mischer Campagna und Berge, in Basel die Gänsehaut, die 
er sich in den menschenfeindlichen Hochgebirgsschluchten 
geholt hatte, oder die fürchterliche Naturgewaltigkeit der Hoch- 
gebirgseinsamkeit. Er ward unheimlich, weil ihm wollüstig 
unheimlich zu Mute gewesen war. Er malte in Florenz floren- 
tiner Landschaft und suchte zu ihrer Erkenntnis unter an- 
derm Aufklärung bei den Alten, wenigstens interessierte es 
ihn, wie sie sie gesehen, angewandt und zur Wirkung ge- 
bracht hatten. Das italische Meer entzückte ihn, aber hätte 
er es so unübertrelflich herzaubern können, wenn nicht alles, 
was dazu gehörte, in ihm gelegen wäre? Geht es ihm doch 
ebenso mit Felsen, Bäumen, Lüften, kurz mit allem, was er 
anpackt. 
Die italische Landschaft hat ihn in dem beschränkten 
-Sinne beeinflusst, als sie ihm zu immer farbigeren, licht- 
Volleren Scenen den äusseren Anlass gab und die Verbin- 
dung mit innerlichen, aus antiker Lektüre geschöpften Ideen 
herstellte. 
Wäre er nicht in Italien gewesen, so fehlten uns natürlich 
die italienischen Motive unter seinen Bildern. Seine Art zu 
sehen, anzupacken, zu vereinfachen, das Wesentliche gross und 
verständlich hinzustellen, hätte sich offenbar gerade so ent- 
wickelt, die Grösse des Malers gerade so gut ausgewachsen, 
wenn für das schwärmende Publikum auch mancher Reiz ver- 
loren gegangen wäre. Böcklin sah am ersten Tage in Zürich 
mit so viel Freude in die Natur  gleich erschien denn auch
        

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