Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1462617
22 BÖCKLIN-AUFZEICHNUNGEN UND ENTWÜRFE 
ständig kindliche Bewusstlosigkeit herrscht, sollte wenigstens 
jeder Kunstschreiber wissen, jeder Historiker voraussetzen. 
Wir andern haben bisher stets so gethan, als ob wir die 
Farbe verachteten, d. h. wir kannten sie nicht, und noch heute 
kennen ihre Kräfte die wenigsten. Wir kamen nicht von der An- 
schauung, sondern von der Abstraktion, nicht auf künstlerisch 
eigenem, sondern auf historisch-philosophischem Schulwege. Wir 
kamen von der "Erkenntnis" des Altertums von Winckelman ns 
Gnaden, und unser Weg führte über die Italiener, die  was 
z. B. Florenz anlangt  ähnlichen Weges kamen, durch ähn- 
liche Irrtümer hindurch und nie etwas von Farbe verstanden. 
Man vergleiche als Laie nur die Flamländer in den 
Uffizien etc. und ihre Florentiner Nachahmer daraufhin: von den 
Pollaiuoli bis zu Ghirlandajo. Man sehe ihre ältere schwarz- 
weisse (später ganz farblose) Architektur. Dort, in der Malerei 
steht z. B. in allen Plänen, hinten und vorn, das gleiche Rot 
in gleicher Valeur; hier machen sie die Gliederungen schwarz 
auf weiss, obgleich doch weiss vortritt und schwarz zurück. 
Von der Schilderhäuserei ganz abgesehen. 
Böcklin konnte von allem, aus der Natur, andern Meistern, 
Büchern etc. lernen, d. h. wie sie das machten und erreichten, 
was ihm dienlich schien; aber sich von irgend etwas beein- 
flussen zu lassen, war er nicht der Mann; auch nicht von 
Hunger, Familie, Ehrgeiz, Mäcenen, Kritik, Mode, Menge etc. 
Ebensowenig war er so einseitig, jenen Künstlerhochmut zu 
besitzen, den man ihm nachsagt: nur an sich zu glauben und 
sich um die Welt nicht zu kümmern. Er freut sich im Gegen- 
teil stets, etwas Hübsches mitzuteilen, ein reizendes oder über-' 
mütiges Naturmärchen zu erzählen. 
Wo es ihm damit nicht glückte, lag es selten an ihm, 
sondern an der Art des Beschauers. Freilich kann der Künstler 
immer nur von Gewissen und unter gewissen Voraussetzungen 
verstanden werden. Und irgend Konzessionen zu machen, 
gegen seine Individualität und seinen Kunstglauben, ist ihm 
allerdings nie auch nur von weitem eingefallen. Gerade in der 
geschlossenen, vollentwickelten und vollbewussten Individualität 
sah er alle Möglichkeit einer wahrhaft künstlerischen Wirkung 
auf andere, auf die „andern", die überhaupt in Betracht kommen. 
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