Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1462594
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BÖCKLlN-AUFZElCl-INUNGEN UND ENTWÜRFE 
malerischen Brauchbarkeit zunächst noch ganz abgesehen. (Wer 
vor Florenz spazieren geht, als Maler und Poet, empfindet bald 
nicht bloss den Zwang dieser ewigen Mauern, sondern gewinnt 
ihrem Vorhandensein den Reiz ab, den sie haben können.) 
[Ähnlich der Witz mit der Nische oder dem schmalen 
Teppich mit Ausblick nicht oben, sondern schmal zu beiden 
Seiten (hier handelt es sich um einen dunklen und gemusterten 
Hintergrund, dessen Ton und Behandlung das Fleisch auf ihm 
isoliert, weiss und ruhig erscheinen lässt), mit den zwei flan- 
kierenden Heiligen und den Knieenden unten. Er geht ebenso 
durch. Um den Stoff und seine Anordnung hatten sich die 
Renaissance-Leute nicht zu kümmern. Freilich "haben sie An- 
strengungen gemacht, um aus dem Gegebenen herauszukommen.] 
jene scheinbare Beeinflussung war also mehr eine Beein- 
ilussung seitens der neuen Landschaft, des Bodens mit seiner 
uralten, überall zu Tage tretenden Kultur  alles Übrige war 
Neugierde und Versuch sie durch ein Experiment zu be- 
friedigen. 
Böcklin ist Beobachter, überall bohrt er sich hinein, geht 
er dem Wesen nach. Also sah er gleich die kluge Art wie die 
Toskaner sich mit Loggien und Terrassen auf die Hügel hinauf- 
bauen, mit sichtbaren Strassen, die dazu führen, mit den 
Cypressen und Oliven, dazu der grossblumige Blütenschmuck 
der Frühlingswiesen  alles das musste gemalt werden. 
Sonst kann ich versichern, dass er in den Uflizien ausser 
nach den beiden Rubens hauptsächlich nach Memling und Rogier 
van der Weyden lief, die er, wie die alten Deutschen überhaupt, 
aufs höchste bewunderte. Freilich interessierte ihn dabei auch 
die unlösliche Frage nach ihrer Technik,  wie sie alle die 
feinen Fädchen der schönen Muster aufgesetzt hätten, wie das 
alles so unbegreiflich ungemacht aussähe. 
Die Italiener, von denen Böcklin bei genauester Kennt- 
nis sehr wenige achtet, hat er als Künstler nie geschätzt, sie 
vielfach ausgelacht und gern an den berühmtesten Quattro- 
und Cinquecentisten (Florentiner) über ihre kolossale Un- 
Fähigkeit, Unfreudigkeit und Unkenntnis doziert. 
Ich habe also von Einflüssen wenig Direktes entdecken
        

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