Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1462584
"EINFLÜSSE", ENTWICKLUNG, AUTODIDAKT 19 
 
sich vielmehr mit den Alt-Niederländern und Deutschen, bis 
auf Rubens, aus deren Bewunderung er denn auch nie ein 
Hehl gemacht hat. 
Die Einwirkung der Quattrocentisten auf ihn war nur 
eine scheinbare: Er ging den Weg des Autodidakten, lebte 
also lediglich vom Beobachten, Versuchen und Lernen, er musste 
sich die Ausdrucksmittel für das, was er sah, und was in ihm 
glühte, selber schaffen, und Autodidakt war er, weil er bei den 
Zeitgenossen für sich nichts zu lernen fand und alle Wege in 
die Überlieferung zurück für verschüttet erachtete. So fragte 
er, auf eigene Faust Erfahrungen summierend, direkt bei der 
Natur und bei den alten Meistern, wo diese ihm in seinem 
Sinne zielbewusst vorzugehen schienen, und die Kräfte der 
Farbe bewusst in ihren Dienst stellten, nach dem „Warum" 
und „Wodurch" ihrer kompositionellen Eigentümlichkeiten und 
einfach grossen Wirkungen. 
Nur so lielen ihm auch die Florentiner auf.  
Was er gefunden zu haben glaubte, versuchte er praktisch, 
 manches fand er auch, während er es direkt auf der Lein- 
wand versuchte, in der nötigen Grösse  .   und so entstand 
manches seiner "florentinisierenden" Bilder, so und nicht etwa 
aus einem seiner Zeit abgewandten Sichversenken in den Geist 
einer aus anderen Abgründen heraus schaffenden anderen 
Epoche. 
Er hat stets an den Beschauer appelliert, soviel 
Kluges er ihm auch, erleichternd, zu geben hatte. Daher seine 
Florentiner Gartenmauern etc. Die Vorstellungs- resp. Ein-_ 
bildungskraft seines Publikums wollte er durch das Geheimnis- 
volle seinem Bilde zu Nutzen machen. 
Und dies Quattrocentomotiv der Mauer etc. soll eine Ent- 
lehnung oder eine Anlehnung sein? Lebt nicht die ganze 
Architektur von „Baumotiven", die sie neu zusammenfügt? 
Und die Monumentalbildhauerei? Warum soll da der Maler 
nicht ein Bildmotiv gebrauchen, über dessen Herkunft er sich 
lediglich in praxi informiert hat, d. h. welches ihm nicht bloss 
auf den Bildern der Alten als Atelierüberlieferung aufgefallen 
war, sondern welches ihm, wie damals jenen, täglich wieder 
neu zuwuchs: sobald er nur aus Florenz v0r's Thor ging, 
war die Wirkung da, wie sie es für jeden ist, von der direkt 
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