Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1462577
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BÖCKLIN-AUFZEICHNUNGEN UND ENTWÜRFE 
Franz Dreber war bei allem künstlerischen Verstand 
schwerlich der Mann, der diesen zielbewussten Kopf, ihn längst 
überflügelnden Geist, beeinflussen konnte. 
Feuerbach war damals unzufriedener und suchender als 
je und malte überhaupt nicht. Wenn Böcklin einsam herum- 
strich, so geschah das, weil er mit sich selber allein sein wollte, 
musste, weil er sich mit den anderen nicht einig fühlte. Die Ein- 
flüsse des nun beginnenden Experimentierens sind jedenfalls sei- 
nen Bildern, die alle wohl erhalten sind, nicht schädlich geworden. 
Einfluss von Poussin  warum Poussin, wo er selbst 
wie jener in der gleichen Landschaft in gleicher (nicht erzwun- 
gener, sondern seinem Genie eigener) Weise im Spazierengehen 
zu schauen, aufzunehmen und zu begreifen liebte. 
Auch die Antike hat ihn durch ihre Formenwelt nie 
direkt beeinflusst (er benutzt nur die Allgemeinverständlichkeit 
ihrer Formensprache), so gern er auch seine Stoffe bei ihr er- 
gänzt. Und hier handelt es sich um Erinnerungen an Lektüre 
und um die Freiheit von irgendwelchem Kostümzwang, also 
nur um eine scheinbare Wurzel seines Schaffens. 
(Er malt meist, was man so Antike nennt. Aber er malt 
es, weil seine Phantasie sich dort freier bewegen kann, weil es 
dort keine vorgeschriebenen Kostüme und Farben, dafür aber 
jede Möglichkeit des Nackten giebt  kurz weil er dort ganz 
freier Mann, ganz Künstler sein darf. Übrigens sind seine Figuren 
ja auch nur relativ und nicht als Darstellung dieser oder jener 
Sage da: sie helfen eben nur irgend einen persönlichen Natur- 
eindruck deutlicher zum Ausdruck zu bringen.) 
Seine Lektüre antiker Schriftsteller und sein römischer 
Aufenthalt spielen wohl eine Rolle. Auch seine Vorliebe für 
den Umgang mit gebildeten Nichtkünstlern. Aber die klassischen 
Schriftsteller boten seiner ganzen Art nach nie den Stoff, son- 
dern nur den Einschlag in die von der Anschauung her bereits 
gespannte Kette. 
Auch der Einfluss Italiens wird sicher überschätzt. Man 
sieht das, wenn man an seinen Bildern nachrechnet. Böcklin 
hat wohl an der lebendigen, farbigen italienischen Natur seine 
Phantasie befruchtet, dagegen nie Anschluss an irgendwelche 
italienische Malerei gesucht. All seine Farbenrechnungen  
wenn sie nicht so sehr harte, eigene Erfahrung wären  decken
        

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