Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1462536
14 BÖCKLIN-AUFZEICI-INUNGEN UND ENTWÜRFE 
Böcklin im Gespräch: 
"Woheraus soll man heutzutage zum künstlerischen Schaffen 
angeregt werden? Im Altertum hat das Leben das über- 
nommen; aber das Leben, wie es sich heutzutage abspielt, 
drängt eher alle Produktion zurück. Wir "leben" so wenig! 
Wie wohnen wir zum Beispiel? Kaum zur „Existenz" aus- 
reichend. Zusammengepfercht, in fremdem Haus, mit verbauter 
Natur, ohne Licht und Luft. Wie kleiden uns unsere Vor- 
urteile und Kunstfremdheit, unsere Prüderie! Auch da ist 
nichts für Auge und Sinn. Menschliche Formen, von 
Weibern gar, sehen wir höchstens mal bei Unglücksfällen. 
(Wenn sie selber auch bei dieser pflichtschuldigen Geheimnis- 
krämerei trocken und sehnsüchtig verblühen.) Die Familie  
haben wir nicht, sie hat uns. Die Frau  na, im Grunde hat 
doch keine von ihnen ein ernsthaftes, echtes Interesse. Die 
Kinder? Anfangs vielleicht viel Freude, aber später Kampf 
und Sorgen. Patriotismus? Ich wäre der Tambourmajor, 
wenn alle Unpatriotischen im heutigen Sinn mal ausgetrieben 
würden. Woheraus soll man nun künstlerisch schaffen? Wo- 
durch einmal heller sehen, freudiger, leichter sich aussprechen? 
Da bleibt nur der Wein. Der allein ist ein wirklicher Ge- 
nuss, er erhebt uns erst zum Menschen. Nur der Wein hilft 
uns gegen das Leben, trotzdem schalfen, nur er schenkt einem 
noch manchmal Stunden, wo man den ganzen Kram vergisst, 
und wunder glaubt wer und wo man wäre." 
„Man wird eigentlich erst seines Lebens froh, wenn man 
gesellschaftlich keinen Ruf mehr zu verlieren hat." 
"Neue Bekanntschaften machen, heisst doch nur, sich neue 
Gene auferlegen. Heraus kommt dabei ja doch nie etwas 
Menschliches." 
„Mit wem soll man verkehren! Man hat ja gar keine 
Anknüpfungspunkte. Auch bei Malern nicht, erst recht nicht. 
Alle, wie sie da sind, wollen sie nicht in, sondern mit ihrer 
Kunst etwas erreichen, versuchen's so oder so, sind Streber, 
Affaristen, jongleurs; der eine will reich, der andere gesell- 
schaftlich angesehen, der dritte berühmt oder berüchtigt, der 
vierte Akademiedirektor werden. Keiner denkt daran, ruhig, 
Ohne rechts oder links zu blicken, das, was in ihm ist, heraus- 
zubilden. Der einzige Sandreuter_ macht eine Ausnahme.
        

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