Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1462513
BÖCKLIN-AUFZEICHNUNGEN UND ENTWÜRFE 
wie deren Vertreter ihn und die Gefahr, die von seiner Seite 
drohte. 
Wie sehr man ihn aber auch gerade in Malerkreisen be- 
feindete, so schätzte man ihn doch und wusste ihn zu benutzen. 
Für Kaulbach hat er gemalt, für viele andere in Rom. 
Lenbachs Bilder richtete er meist zu Bildern her, so noch 
den Kaiser Franz Joseph für die Wiener Weltaus- 
stellung, der völlig unmöglich war, im letzten Augenblick. 
Auch Winterhalte r schleppte gleich seine ganzen Leinwände 
her, wenn Böcklin ins Atelier kam, um sie sich etwas bildartig 
zusammenbringen zu lassen. 
In Stuttgart sollte er, ich glaube 1862, Direktor und 
Reformator werden, die Alten abschaffen oder kalt stellen. Die 
Hofpartei war für ihn, an der Spitze die Königin, momentan 
auch I-Ierr Luebke. Zuerst stiess er auf den alten Rustige, 
dessen Bilder er auslachte, und der ihn väterlich auf die 
Schwierigkeiten der Lage, die nötige diplomatische Vorsicht etc. 
hinwies. Böcklin wurde scheu, blieb aber doch probehalber 
vierzehn Tage in Stuttgart. Die pekuniären Vorteile waren 
für den Familienvater, dessen Bilder unverkäuflich waren, zu 
wesentlich. Aber bald sah er die Unhaltbarkeit der projektierten 
Position, die Übermacht der Myrmidonen, die er erdrücken 
sollte, ein: zu einem Intriguenspiel, in dem die anderen geschult 
waren, hatte er weder Lust noch Talent, und so gab der mittel- 
lose Mann die Chance auf. Er war in Weimar, wie er er- 
fahren, unmöglich  er begriff, dass seine Idee: vielleicht geht's 
in Stuttgart, eine zweite und letzte Illusion dieser Güte ge- 
wesen war.  
Böcklins Vater und Grossvater waren Weber. (Der Gross- 
vater  der erste seiner Ahnen, den er kennt  aus Beg- 
gingen, am Fuss des Randen im Kanton Schaffhausen. 
Dort giebt's noch Böcklins.) Er selbst hat die Weberei auch 
angefangen. Darum ging er auf der Wiener Weltausstellung so 
gern und fast nur zu den Japanern, sie weben zu sehen. „Da 
begreift man, dass unser Webstuhl so einfach ist, nämlich wegen 
unserer europäischen Ungeschicklichkeit und Tölpelhaftigkeit." 
(Sonst ging er höchstens noch in den Maschinenraum. Die 
Kunstausstellung betrat er nicht, „sollte man überhaupt nicht 
ansehen")
        

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