Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1462496
BÖCKLlN-AUFZElCI-INUNGEN 
UND ENTWÜRFE 
Notwendige. Nur kein Hineinragen, Hineinschimmern irgend- 
wie nicht momentan zur Sache gehöriger Interessen! Reine 
Malerei! Nichts von dem, was nach ihm gekommen ist, hat 
ihn auch nur einen Augenblick beeinflusst, weder Frau noch 
Kinder. Er ist zu ausschliesslich positiver Kopf, zu sicher 
zweckbewusst, als dass ihn Not oder Glück, eigenes, oder 
anderer, wesentlich hätten beeinflussen sollen. 
Das Malen, äusserte er einmal, sei ähnlich wie Zimmer- 
turnen, eine der gesündesten Beschäftigungen, weil es eine 
fortwährende körperliche Anstrengung bedinge. Man stehe den 
ganzen Tag, müsse bald dies bald das holen, zurücktreten, die 
Palette halten, Flächen zustreichen etc. Besonders grössere 
Bilder seien sehr gesund. Auch die nötige geistige Anstrengung 
sei dabei, meinte ich.  „Viel weniger als man glauben macht, 
nur einmal, bis man sich klar ist, kommt sie vor. Und das 
kann im Bett sein. Nachher ist das meiste wenigstens An- 
wendung des Handwerks, das man gelernt hat  Technik." 
Das Malen ist ihm Vergessen alles I-Iässlichen. 
Die überall auf sich selbst angewiesene schweizer Art und 
sein unzweifelhaft alemannischer Schädel sind sehr bemerkens- 
wert für ihn. Es geht Arnold Böcklin wie jenem alten Rabbi, 
der die sichere Verstandesklarheit seines Volkes damit erklärt, 
dass sie, die Juden, nie dumm gemacht wären  ihr Gehirn 
mit keinen Lügen belastet worden sei, an deren Abarbeitung 
andere ihre schönsten Jahre  unproduktiv  verschwenden. 
Auch Böcklins Malerei, d. h. seine Augen, sein Verstand, seine 
Empfindung, haben sich durch keine Schule, keinen Glauben 
je dumm machen lassen. Während man sich im lieben Deutsch- 
land malerisch so oder so bethut und bethätigt, ohne zu einiger 
Selbständigkeit zu gelangen in der Reihe der Schattenkönige 
letzter Generationen, steht abseits ein alemannischer Mann, 
weder grollend noch lässig, sondern einfach, ohne Streberei, 
Patriotismus, Gesellschaft, Mode und andere Surrogate, mit denen 
die anderen handeln, sein selbsterworbenes Gut einfach und 
durchsichtig in der Hand haltend, ganz auf sich und seine Sache 
gestellt, die allein ihm heilig ist, ihm ausreichende Stellung in 
den Schädeln derer behauptend, die wie er ohne die Verzogen- 
heit der letzten Jahrzehnte, irgend einer Kunst klar ins Auge 
blicken. Er gehört nicht zu den „edeln Menschen" und Vater-
        

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