Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464892
 
sichtbaren Ausdruck herauszuarbeiten (zusammenzuarbeiten), 
das ist Böcklins reichere Kunst. Der Mensch z. B. ist doch 
etwas Gewordenes, unter einflussübenden Verhältnissen Ge- 
wordenes. Alles das muss man mitsehen. Daher das zottige 
tierische Aussehen Böcklinscher Meermenschen. Das Meer soll 
öde und bös sein. Aber seine Geschöpfe glatt und geschniegelt! 
Müsste er den Kritiker malen, so würde er ihn auch nicht durch 
die „Gesetze der Schönheit" glaubwürdig machen können, son- 
dern die Einwirkung der verba magistri, der ungelüfteten Stu- 
dierstube mit alten Schmökern und schlechter Tabaksluft an ihm 
aufweisen. Und das gäbe auch gerade keinen Apollino. 
Vielleicht hat es die alten Griechen gefreut so, wie Marees 
und folglich Hildebrand und Fiedler meinen, zu bilden. 
Aber jede Zeit hat ihre eigene Sache zu sagen, ihre eigene 
Kraft und Lust auszusprechen und will auf ihre eigene Art 
angeredet werden. Keine philosophische Untersuchung über 
die letzten Dinge kann daran etwas ändern. 
Alle diese Bienenarbeit Fiedlers bringt uns höchstens 
die Herren von Marees und Hildebrand näher. Gletscher- 
besteigung  Nordpolexpedition, um den veritablen Nordpol 
zu finden und zu merken, dass von ihm nichts zu „sehen(' ist. 
Fiedler hat einen konzentrierten Menschen vor sich. 
Alles Abstraktion. Nicht etwa einen voll Leidenschaft, der 
darum auch mal eine Dummheit macht! 
Ich halte Fiedlers Ausführungen über den Ursprung der 
künstlerischen Thätigkeit etc. schliesslich doch für grundfalsch. 
Absolutes Kunstwerk ohne Mitwirkung des  sklavischen  
Beschauers will er, Anregung des ähnlich Empfindungsfähigen 
will ich vom Kunstwerk. 
Das vollendetste, innerlichste Kunstwerk bleibt tot ohne 
die nachschaffende Mitthätigkeit des angeregten Beschauers, 
dessen eigenste Erlebnisse angerufen werden müssen. 
Das Kunstwerk muss sich erst der in uns schlummernden 
Erinnerungen und Vorstellungen bemächtigen, um dann wie 
unser Eigentum zu erscheinen, unser zweifelloses, mühelos und 
ganz zu geniessendes Eigentum. 
Bruckmann meint, Böcklin sei durchaus Improvisator, 
besonders aber den Alten gegenüber, die er doch wiederum als 
die einzigen bewussten Maler schätzt. (Pompeji)
        

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