Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464824
MODERNE MALEREI 217 
(Und das will Realismus sein! Realismus diesen Themen 
gegenüber. Da ist mir doch Wereschtschagin noch lieber, 
der wenigstens auch in Bezug auf Licht und Raum und Lebens- 
art realistisch sein will und extra dazu in den Orient gereist 
ist, -wenn nun doch mal in „Realismus" gemacht werden soll.) 
Firle macht doch die Leute wenigstens wie sie sind  
in Gottesnamen  aber Uhde braucht noch einen geborgten 
Christus dazu. 
Gerade wegen dieser Betonung der exklusiven, ultra- 
realistischen Modernität, verlange ich diese auch voll und ganz 
(was sie ad absurdum führen würde). Es lässt sich eben nichts 
trennen in der künstlerischen Thätigkeit, und was von der An- 
schauung und Erkenntnis gilt, muss auch von dem erfindenden 
Rest des betreffenden Künstlerhirns gelten. 
Ich will, um kurz und deutlich zu sein, die einzelnen 
Köpfe gern als an Ibsen erinnernd bezeichnen. Aber ich 
würde der durchgreifenden, wirklich modernen Energie des 
grossen Norwegers Unrecht thun, wenn ich das eigentliche 
Werk, das Bild, mit seinen bewussten, geschlossenen Dicht- 
ungen vergliche. 
Sachgemässe, momenterklärende Charakterisierung 
(d. h. nicht etwa den grossen historischen Moment)  die aber 
nicht ausreicht für das Ganze, und die ja vor allem nichts 
Neues ist, sondern stets mindestens ebenso gross war. 
Und die Malerei? Ist dies Anschummern mit lichtem 
Ocker oder Weiss, um die Tiefen aufzuheben und die Leute 
in „Luft" zu setzen, ehrliche realistische Malerei? Noch weniger 
wie der ganze Gedanken- und Empiindungsaufbau. 
[Was geht das die Kunst an, ob z. B. Rembrandt soge- 
nanntes Schornsteinlicht liebte oder ob Uhde ein Zusammen- 
schummern mit Weiss und lichtem Ocker vorzieht? Das hat 
mit der jeweiligen Malmode oder einer persönlichen technischen 
Anschauung resp. Erziehung zu thun. Für die Kunst hängt 
wenig davon ab.] 
Bei Uhde hebt das Licht den Schatten auf, und der 
Schatten das Licht. Was soll das sein? Womit soll das wirken? 
Mehlsuppe! 
Zu alledem kommt, dass er die Helligkeit seiner Figuren 
nicht motivieren kann. Man müsste ein grosses Fenster auf
        

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