Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464812
 
ENTWÜRFE 
und Ausbilden eines  entlehnten  Prinzips anzuerkennen  
(ohne in dem einen oder andern mehr zu sehen als malerische 
Talente, die Recht behalten, Zeitblasen, die an die Oberfläche 
kommen wollen)  aber seit diese Herren sich die Litteratur 
dienstbar gemacht haben, muss man doch anders über sie reden. 
Uhde. Wenn Filippino seine Florentiner Madonnen- 
erscheinungen malte, oder Rembrandt seine Juden, so waren 
sie naiv, resp. arbeiteten für ein naives Publikum, was z. B. 
Herr von Uhde (der sich schämen würde, einen Rembrandt 
gemacht zu haben) mit seinen Anachronismen (Abendmahl etc.) 
nicht mehr sein und thun kann. 
Dieser Wahrheitssucher verleugnet jegliche Wahrheit aus 
Wissen und Begreifen moderner Menschen, seiner Zeit. In 
dem Spitalerkostüm seiner Apostel wird die Welt nicht erobert! 
Ich möchte seinen Aposteln nicht wünschen, dass sie mal denen 
von Dürer in der alten Pinakothek begegneten. Was würden 
sie da für Haue kriegen! Mit denen ist kein Spass zu 
machen. Verbohrte Menschen. Denen glaubt man's. Aber 
Uhdes Krankenhäusler sollen hinausgehen in alle Welt! Die 
können froh sein, wenn sie heimkommen. Kein Realist wird 
sie für grosse Fanatiker und Evangelien- resp. Briefschreiber 
taxieren. Das sind noch lange keine Sozialdemokraten, nicht 
einmal Anti-Vivisektionisten. Da ist mir eine sog. konventionelle 
Auffassung ä la Paul Veronese oder sonst eine schon lieber. 
Ein üblich gewordener Typus Christi steht den modernsten 
Scherzen gegenüber. Hätte er wenigstens den konsequenten 
Mut gehabt, den Herrn mit zu kurzen Hosen als Schulmeister 
oder Pfarramtskanditaten darzustellen! Warum hat er nicht 
den Mut, den Herrn gerade so „realistisch" darzustellen, zu 
„behandeln" wie die Apostel? Es würde eben keiner diese 
Leute für Apostel halten, wenn er nicht sein konventionelles 
Merkzeichen, den Christus, daneben malte, über den er ja nicht 
rauskommt. Aber wenn er den braucht, dann ist's schon aus. 
Dann giebt er zu, dass er mit seinem „Realismus" nicht reicht 
und die Geschichte sonst ganz in Haidhausen") spielen würde. 
Münchens. 
Vorstadt
        

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