Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464805
MODERNE MALEREI 215 
„Neue Kunst!" Es giebt nur eine Kunst, das andere ist 
Mode, Eitelkeit, gegen deren Uberwuchern sich gelegentlich 
eine andere Mode aufbäumt, oder Andere, die mit was anderem 
auch mal an die Reihe wollen  ehrlich und unehrlich. 
Ich bin nur erstaunt, wo das Neue liegen soll. Wir sagen 
Liebermann und Uhde. ja, Liebermann vertrat seinen Pariser 
Import und seine Bethätigung  übrigens schon damals mit dem 
bemerkenswertesten verwandten Talent  bereits zu Anfang der 
siebziger Jahre in Weimar und auch nicht als etwas Neues. 
Herrn von Uhde aber als einen Apostel anzusehen, bin 
ich so wenig im stande, wie seine Apostel als solche zu nehmen. 
Im übrigen malt die halbe Welt längst Pariser Jargon. 
(Das Malen von Vorgängen im Freien in Freilicht war zu- 
dem nie eine Erfindung derer von Fontainebleau, sondern wurde 
von ihnen nur in dankenswertem, bewusstem Gegensatz zu einer 
erstickenden, akademischen Konvention zu den möglichst sicht- 
baren Extremen geführt und mit mehr Recht ausposaunt, als 
es jetzt die um Liebermann etc. uns gegenüber machen. 
Die Unterschiede, auf die man sich berufen wird, werden 
gegenüber dem Gesamteindruck der Schule bald unbemerkt bleiben.) 
Liebermann ist keinen Schritt von seinem vorgezeichneten 
Wege abgegangen. Aber er ist viel feiner, ausgeglichener ge- 
worden; nicht mehr so ganz Schwarzspiegel. 
Ich habe meinen alten gewissen Respekt vor Liebermann 
nur erhöhen können. Aber freilich immer noch lediglich vor 
seiner verschärften, auf ein Ziel gerichteten Energie, nicht vor 
seinem Kunstprinzip. 
Es hilft doch nichts: die Kunst kommt nicht aus dem 
Verstande,  der steht nur am Ventil oder am Steuer. 
Was geht uns eigentlich dieser absichtlich seelenlose 
Momentschein der Dinge an. Charakterisiert ist höchstens der 
Augenblick (5 Uhr 25), nicht einmal etwas von den ihn (schein- 
bar) zufällig bildenden Dingen selbst. 
(Vergleiche Whistlers Stimmungen! 7. August, 61h Uhr 
nachmittags etc. Das gehört in einen Nachlass, aber nicht von 
einem Lebenden auf eine Ausstellung.) 
Man. hätte sich unter normalen Verhältnissen damit be- 
gnügen können, Uhdes grosse Fähigkeit der Charakteri- 
sierung zu rühmen und Liebermanns schneidiges Festhalten
        

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