Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464765
MODERNE MALEREI  Z1 l 
 
kann das nicht, kann diese Freude nicht bereiten. Sie ist viel 
zu kompliziert, zu zufällig. Und es kommt doch nur auf die 
(Erkenntnis-) Freude an, die jemand gehabt hat. Es gehört der 
warm fühlende erklärende Mensch dazu, der die verständliche 
Formel findet. 
Das was die Neuen an der Natur sehen, ist für sie augen- 
blicklich alles, was an ihr malerisch und anschauenswert ist, 
und in ihrer Art gehen sie dem Dogma ja so feinsinnig, Heissig 
und strenge nach, dass man das anerkennen muss. 
Diese Kunst ist auch sonst ganz echt. Sie nimmt, der Zeit 
angemessen, überall wissenschaftliche, populäre, sozialistische, 
pessimistische Allüren an. 
Das Ergebnis sind Studien, die jeder, der die Malerei 
(wenn auch nicht die Kunst zunächst) für eine interne Ange- 
legenheit der Maler hält, zu den frischesten und feinsten rechnen 
muss, die ein Vize-Photograph herstellen kann. 
 Gewiss, der Lebende {hat Recht. Aber er braucht 
darum nicht alle die totzuschlagen, die von demselben Recht 
ihrer Zeit Gebrauch gemacht haben. Warum soll das nur der 
Historiker und nicht auch der Künstler begreifen können! 
Die ganz „nackte Malerei" wird bald erfroren sein! 
Der neue Held heisst die Atmosphäre. Die malte man 
zwar auch sonst schon, aber nur „mit". Damit man das 
meinetwegen neue Stückchen Wahrheit aber möglichst neu 
erscheinen lassen könne, isolierte man es, indem man alle 
von anderen Ausgangspunkten aus gefundenen Wahrheiten zu 
negieren vorgab und z. B. auf Kompositionslosigkeit hin 
komponierte. 
Es gehen mal wieder schwere Schlagwörter um, und wer 
die Ohren in die richtigen Ateliers hängt und dann voll hat, 
kann gleich heim laufen und einen aktuellen Artikel seinem 
kurzen Darm entlassen.
        

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