Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464758
 
(obgleich uns viel mehr Atelierüberlieferung und Gewissen not 
thäte)  aber ich will dafür nicht eine andere Mode, sondern 
eine, gleichviel wie, womit und über was gemachte Kunst des 
Herzens, der Andacht sozusagen vor der Natur, ich will die 
Begeisterung nicht aus der Welt getreten sehen  kurzum 
keine Kunst des „objektiv gemachten" Auges. 
Ich gebe zu, dass die Hingabe an die Natur von Zeit zu 
Zeit nicht selbstlos genug geschehen kann. Aber  das sind 
die Übergänge. Die Frage bleibt immer: was wird daraus? 
Ich spreche hier nicht für das Bedrohte, Absterbende, 
Alte  dessen Beseitigung, soweit es wirklich saftlos, ich nur 
zu verdanken hätte; sondern gegen die Einseitigkeit, Erkenntnis- 
losigkeit (Ungebildetheit) und Unduldsamkeit der Pleinairisten, 
die doch nur offene Thüren eingerannt und doch nur Sturm- 
böcke geblieben sind, die höchstenfalls etwas niedergerissen 
haben, aber uns glauben machen wollen, sie hätten bereits auch 
die neue messianische Idee geboren. „Sarah soll Heil gebären!" 
Das glaubte schon Millet und wahrlich mit mehr Recht als 
seine Apostel in Deutschland. 
(Die angenehme Unduldsamkeit, mit der die Modernsten 
vorgehen, macht auch anderen, ruhiger Zuschauenden, den Ton 
leichter, die Stechbahn frei.) 
Der durchsichtige genetische Zusammenhang erscheint 
mir als die Schönheit eines Bildes. 
Jetzt sind sie meist nur oratorische Meisterstücke, künstlich 
gefügt, blendend; aber nicht innerlich geboren,  seelenlos. 
Böcklin 
steht 
diesen 
Modeherren 
Oberlaender 
wie 
Schlingen. 
Die Kunst lebt heutzutage von der Verwirrung der 
Begriffe und sollte doch von der Lösung derselben leben. 
Die Freude am Begreifen, am leichten Begreifen ist 
der Grund aller Kunst  wie auch der Wissenschaft. Das ist 
die Lebensfreude, das Draussen zu vereinfachen. Die Natur
        

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