Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464728
MODERNE MALEREI 207 
 
Die Natur ist trotz ihrer Unendlichkeit immer harmonisch, 
 das Zusammenaddieren unserer Modernen wird es, da sie nicht 
mit Licht und Luft alles umfassen, nie werden, und sie werden 
die wesentlichste Bedingung der Naturwahrheit nicht erreichen. 
Kann jemand in der Poesie den schönsten Helden ein 
Lebenlang leben lassen, oder muss er ihn durch wenige be- 
zeichnende Thaten und im Spiegel seiner Umgebung zeigen? 
Kann ich einen Geschwätzigen dadurch darstellen, dass ich sein 
Gewäsch stundenlang stenographiere, oder bin ich um so mehr 
Künstler, mit je weniger bezeichnenden Worten ich sein Wesen 
klarmache? Hier ist jedem die Wahl leicht. Der bildenden 
Kunst gegenüber steht es leider anders. (Zürich, Febr. 1886.) 
Man sollte es überall am Pulsschlag greifen, dass das Er- 
lebnis für den Künstler (Böcklin) war, was er gemalt hat. 
Man sieht überall so recht, wo die Wurzeln sind, wo die 
Scholle ist, auf der er wächst, mit der er notwendig zusammen- 
hängt  die schönsten Sterne Edelweiss wachsen gerade auf 
dem schwierigsten Boden. 
„Da miisst' ich ja Genremaler sein, wenn ich nicht wüsste, 
dass es auf das und das ankommt, und dass lediglich der 
Kunstunverstand noch anderes verlangt. So ein Genrefritze, 
bei dessen, nehmen wir mal an, ganz netter Scene doch z. B. 
alles auf die zwei freundlichen Gesichter von Ihm und Ihr an- 
kommt, und höchstens noch auf die oder jene helfende Be- 
wegung,  ja der macht noch den Hund unddie Katz, und 
den Ofen auch mit dem Kalender dran von 1886 und die Nägel 
am Lehnstuhl und ist  stolz darauf. .  nämlich, dass er den 
Blick von der Hauptsache abzieht und hin und her zerrt." 
 „Man kann auch noch das machen und das machen . 3' 
Böcklin: "Nein, man kann nicht das eine und das andere, 
wenn man Maler sein will. Man kann nicht, wenn es auf zwei 
Köpfe ankommt, hinaus kommt, noch Stiefel und Knöpfe inter- 
essant und fertig machen. Dann kommt einmal das Gewollte 
nicht heraus, und zweitens langweilt die Menge der gleichwertig 
nebeneinander stehenden Dinge")
        

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