Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464680
MODERNE MALEREI 203 
 
flüssig, sondern störend resp. abziehend sich verhalten muss, 
weil sie etwas malerisch Nebensächliches zur Hauptsache 
machen, Accessoirsmaler sind. 
Man denke an die Düsseldorfer "Kostümpoesie". Wo 
ist sie geblieben? 
Man dürfte schwerlich auf die Idee kommen einen Böck- 
lin zu zerschneiden, wie z. B. einem Knaus geschehen, um 
die einzelnen Hunde etc. des Bildes als Originale einzeln zu 
verkaufen, als Porträts etc.,  eine Idee, die, so kunsthändler- 
haft sie auch sein mag, doch für unsere heutige Produktion 
wie für die Konsumenten gleich bezeichnend ist. 
Warum es dort hell oder dunkel ist, bewegt oder ruhig, 
warum der so blau, jener so rot sein muss, wird heute bei den 
wenigsten Bildern jemand sagen können. Höchstens: das geht 
gut zusammen, oder: das giebt eine eigentümlich reizvolle Stimm- 
ung, oder: das war so, resp. das ist Vorschrift. Weiteren Zweck 
(Komposition, Deutlichmachung, kurz Ausnützung der natür- 
lichen Kräfte der Farben) hat der heutige Kolorismus meistens 
nicht. Rechenschaftsloser (unverantwortlicher) „Ge- 
schmack" an Stelle bewusster Kunst. „On a ce qu'on 
nomme du goüt et cela sufßt, croit-on . . .  sagt Viollet-le- 
Duc. Auch künstlerischer Instinkt genügt nicht. Atelier- 
überlieferung hält ihn nicht; denn die haben wir nicht. Also: 
Erfahrung und Rechnung (Bewusstsein). 
Es hat bis auf die Pleinairisten noch kein Mensch be- 
stritten, dass der Maler  so gut wie jeder andere Künstler,  
durch Gegensätze jeglicher Möglichkeit zu wirken hat. Das 
sind seine Mittel, ist seine Sprache. Also hat auch noch nie- 
mand bestritten, dass der Schatten (Schlagschatten) dazu gehört, 
um auf der Tafel das Licht wirksamer zu machen.  j a, aber 
die Farbenkontraste! Da schreien alle. Auch die der ältesten. 
Observanz. Ist denn aber das wasanderes als die Helligkeits- 
kontraStePP 
Es erfasst einen ein gelindes Grauen, wenn man an das ge- 
waltige Heer der heutigen Maler denkt. Wer zu nichts anderem 
taugt, wird Maler. Die affichierte Originalität dieser Burschen ist 
nichts als nackte Armut. Sie machen das, weil sie nichts zu,
        

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