Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464675
 
Das simple Bewusstsein der malerischen Mittel, ihrer 
Grenzen und ihrer Ausdehnungsfähigkeit, vor allem der Farbe 
als Kompositionsmittel, sind bei den meisten verdunkelt und ganz 
verdrängt durch unmalerische Nebeninteressen, die auf ganz 
ausserhalb Liegendes  bewusst oder unbewusst  spekulieren. 
Ein Maler, der sich I-Iistorien-, Genre-, Landschaftsmaler 
nennt oder schelten lässt, ist gewöhnlich mehr Gewerbetreibender 
als Künstler, oder ein Mensch, der abstrakte Ideen mit Formen 
und Faltenwurf bekleiden zu können wähnt. Denn dem Künstler 
gehört die ganze sichtbare Welt der Erscheinung, er ist mit jeder 
neuen Aufgabe ein anderer. jene ästhetischen Rangklassen exi- 
stieren nicht für den Schaffenden, sie sind gelehrten Ursprungs. 
Ich denke, es geht dem Künstler in allen Bethätigungsarten 
gleich: er gestaltet, was der Augenblick bringt, oder verlangt. 
  Karl I-Iillebrand („Briefe eines ästhetischen Ketzers") 
nennt die ganze Stoffmalerei (Geschichte, Genre etc.)  also 
Delaroche, Gallait, Piloty, Geröme, Knaus, Heil- 
buth etc. 4 veredelte Bilderbögen und spottet über den Be- 
schauer, der sich über das ernste oder lustige Geschichtchen 
freut, das man ihm erzählt, froh ist, wenn er's errät. Ebenso 
über die „Ausdruck"simpel ä la Ary Scheffer, bei denen der 
Hauptreiz für den Philister darin besteht, diesen Ausdruck zu 
verstehen; schliesslich über die Herbeiziehung von Patriotismus, 
Frömmigkeit etc. 
Tiermaler, Marinemaler  du lieber Gott! All diese Dinge 
werden falsch geboren, weil sie sich an die Richtigkeit binden, 
und weil sie sich an eine falsche Adresse wenden, nicht an den 
Kunstsinn, sondern an die Kennerschaft (von Pferden oder 
Schiffen), an einschlägige Liebhabereien. 
Die Frage liegt ja fast immer so: nimmt einer ein künst- 
lerisches oder sonstwie hergestelltes Interesse als Leitmotiv. 
Was will er: gefallen, resp. es dem Publikum etc. recht machen 
oder Künstler sein, d. h. blind dem Erkannten folgen und dem 
Erkennen weiter nachstreben. Auf was spekuliert er mit seinem 
Bildwerk? Ist er Künstler oder Affarist? 
Böcklin hasst die Historien- und Genrefritzen, weil sie 
sich abhängig machen, ihr eigenes und des Publikums Interesse 
in allerlei suchen, was Kostümschneider und Militärs bestechen 
kann, aber zum Ausdruck der eigenen Bildidee nicht nur über-
        

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