Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464584
Unsere 
Zeit, 
Mode, 
Publikum. 
Jede Zeit will die ihr eigene Kraft, ihre Lust etc. aus- 
sprechen, wie ein Individuum, jede hat ihre eigene Art, in der 
sie angeredet werden will. 
Jede wirkliche, d. h. neue und damit nach Möglichkeit 
freie Kunst beleidigt naturgemäss eine Menge von Erziehungs- 
resultaten in ihren Zeitgenossen. Der in der wissenschaftlichen 
wie künstlerischen Mode seiner Zeit versimpelte und darauf 
natürlich eitle Mensch ist der natürliche Feind aller ausser 
seiner Specialität und Gewohnheit liegenden Weiterentwickelung, 
jeder in sein System nicht passenden Sondererkenntnis. 
Kunst ist Fortschritt, kann nicht anders gedacht werden 
und muss ergo jeden angelernten etc. Besitzstand beleidigen, 
zur Verteidigung auffordern und die übrigen Armen am Geiste, 
die von den Brosamen oder von dem väterlichen Kapital an 
Ästhetik leben, zu jenen hintreiben. Denn das Neue  und 
das ist jedes Kunstwerk  verstehen sie nicht, sie können 
nichts darüber sagen, weil davon nichts in ihren Dogmen steht. 
Und reden müssen sie nun mal. 
Von einem Allgemeingefühl oder einem Volksinstinkt 
in Kunstsachen kann ja längst nicht mehr ernsthaft die Rede 
sein  weder oben noch unten, auch nicht in jenem äusser- 
liehen, nationalstolzen, kirchturmeitlen Sinn wie früher. 
Unsere grämlich-ernsthafte Zeit, unsere verwissenschaft- 
lichte Welt versteht die Heiterkeit der Kunst nicht mehr. 
Unsere ganze Geisteswelt ist seit Generationen in das Zeichen 
des Schulmeisters getreten. Kunstgeschichte und Ästhetik, aber 
keine Kunst; Reliexion und Wissen, aber keine Anschauung; 
Präparate, aber kein Leben; Stücke, aber kein Zusammenhang; 
Floerke, Böcklin. 13
        

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