Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1464447
URTEILE BÖCKLINS ÜBER ANDERE 179 
 
letzte, kleinste hinein alles belebt, alles durch und durch ver- 
standen, alles künstlerisch, nirgends gepfuscht. Und womit 
und wie das gemalt ist, ist nun vollends ein Rätsel. Gemalt 
scheint es überhaupt nicht. Man sieht keine Arbeit, kein Sich- 
abmühen mit widerspenstigem Material. Mit Ol, Firnis oder 
was wir sonst haben, ist das nicht gemalt.  
Daneben nun die besten Italiener als Maler. Gleich hört's 
auf, überall setzt das Können aus  und nun gar an Stellen, 
wo sie sich unbeobachtet glauben! Nehme man selbst jedes 
Bild von Tizian, z. B. gleich die „liegende Venus" (Uffizien) 
und sehe sich den grünen Vorhang an. Meinetwegen hatte 
Tizian sich schon ausgesprochen und wollte sich nun nicht mehr 
unnütz mit Nebendingen aufhalten. Aber er brauchte, bei der 
andeutendsten Behandlung, nicht zu zeigen, dass er nicht wusste, 
wie solcher Stoff in der Ferne wirkt, wie er fällt etc. Er konnte 
das mit ebensowenig alles machen und zwar richtig. „Aber 
nein, dahinten pfuscht er eben." 
„Wir haben da einen Perugino mit seinen ganz gewöhn- 
lichen, gemeinen Ateliergewandkniifen  und wenn gleich da- 
rauf Fra Bartolommeo sich eine Bettdecke hinlegt und sie 
nachmalt, wird der Kohl auch nicht fetter." 
„Ich kann diese Kerle von Italienern nicht leiden, aber ich 
möchte doch wieder hin. Noch ein paar Jahre, und ich spiele 
wieder 11a banqzze. Wollen Sie mit, gut. Sonst geh' ich allein." 
(Zürich, Ende 1885.) 
„Ein Volk, das so jeden Begriff von Rechtlichkeit, Sitt- 
lichkeit und Zuverlässigkeit bei sich ausgerottet hat, wie die 
Italiener, von welchen jeder einzelne so absolut nur an sich 
und an die Befriedigung seiner Eitelkeit denkt, kann nichts 
werden. Übrigens waren sie zur Renaissancezeit schon gerade so." 
„Die Italiener waren stets frech, wie jeder, der unfehlbar, 
also kritiklos, lächelnd von sich überzeugt ist. Und der Majo- 
rität imponiert ein sicheres Auftreten immer. gDanach wird 
einer beurteilt. Zudem sagten und schrieen sie's von jeher 
selbst. Daher die Rolle, die sie in Europa und" besonders in 
dem schwerfälligen, derben oder bescheidenen Deutschland 
spielen konnten." 
Zum Italiener  ausnahmslos  hielt er höchstens das 
Verhältnis wie zu einem hübschen Haustier für möglich. 
12a
        

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