Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Jahre mit Böcklin
Person:
Floerke, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1461827
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1462434
6 BÖCKLIN-AUFZEICI-INUNGEN UND ENTWÜRFE 
Leben erstarrt, auf schwammförmiger Klippe, vor dem gefrässigen 
heranbrausenden Sturm, liegen zwei Wesen. Sie kümmert das 
Wetter wenig. Gerade das ist ihr Element, ihr Behagen." 
Auch dieser Gegensatz ist schön. „Der Mann, tierartig menschen- 
ähnlich, schaut mit grossen sehnsüchtigen Augen  mit was 
für unvergesslichen Augen  ins Weite. Sehnt er sich ein 
Mensch zu sein, ein armseliger, furchtsamer, aber gottähnlicher 
Mensch, so wie der nach dem Ebenbilde Gottes geschaffene 
Mensch Gott gleich sein möchte.   Sehnt er sich nach einer 
Seele, oder nach der verlorenen Seligkeit, denn die Wasser- 
männer, glaube ich, sind verdammt  .  Haben diese Augen 
vor dem Sturz der Engel Gott geschaut  seine Herrlichkeit 
und seinen Zorn? Denn es sind mehr wie Menschenaugen." 
 Ich muss gestehen, bester Leser, ich weiss es nicht, warum 
sich dieser tierische Leib so krampfhaft an den Felsen klammert, 
während die menschliche Seele in ganz anderen als Sturmes- 
nöten in den gegenwartvergessenen Augen zittert. Und neben 
ihm lagert und streckt sich seine körperlich viel schönere 
Hälfte  ein menschlich schönes nacktes Weib  leichtsinnig 
und mit Behagen geniesst sie das menschentötende Wetter, 
dem allein ihre Art zur" Oberfläche auftaucht. Sie wird 
 bei 
ihn 
auslachen, wenn sie den Träumer sieht, und ihn unbekümmert 
und lustig in die heimische Einöde hinabziehen . . . Was weiss 
ich! Böcklin hat das Grauen des Meeres gesehen in Momenten, 
wo nur die geheimnisvollen Wesen der Tiefe aufzutauchen 
wagen, und er lässt uns hineinschauen in die märchenhafte 
Realität noch unentdeckter Existenzen. Es ist diesmal kein 
blosser Zufall, wenn dieses „Seekalb" dem verehrlichen Publico 
noch nicht vorgekommen ist. Da draussen, wo das Sonntags- 
kind Böcklin es hat sehnsüchtig emportauchen sehen, sind 
keine reservierten Plätze, weder für Naturforscher, noch für 
neugierige Alltagsmenschen. Auch der dreisteste Special- 
korrespondent wäre längst verweht und gefressen, ehe er 
dahin käme, wo die Natur dermassen bei sich zu Hause ist.
        

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